EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht die Pläne für eine Umverteilung von Flüchtlingen in der EU skeptisch. "Ich bin da nicht übermäßig optimistisch, dass uns das gelingt", sagte Juncker am zweiten Tag des EU-Gipfels in Brüssel.

Die EU-Staaten hatten im September die Verteilung von insgesamt 160.000 Asylbewerbern aus Italien und Griechenland in Europa vereinbart. Allerdings scheitert das Vorhaben in der Praxis bislang: Erst 232 Flüchtlinge sind bislang aus Italien und Griechenland in andere EU-Länder gebracht worden. Vor allem ost- und mitteleuropäischen Staaten sperren sich gegen eine Umverteilung. Sie wurden von den anderen Mitgliedsstaaten bei der Entscheidung überstimmt.

Auf die Frage, wie das Jahr 2016 werde und welche Schwierigkeiten er erwarte, antwortete Juncker: "Ich mache mir keine Illusionen." Ein wichtiges Thema sei der bessere Schutz der Außengrenzen. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass EU-Grenzschützer auch gegen den Willen von Staaten aktiv werden sollen. Bis zur Jahresmitte, also innerhalb von sechs Monaten, wollen die Staaten die Eckpunkte festlegen.

Die luxemburgische EU-Ratspräsidentschaft hatte deshalb bereits einen neuen Vorschlag zur Umverteilung von Flüchtlingen gemacht. Von der Türkei übernommene Flüchtlinge könnten in bestehende Vereinbarungen zur Umverteilung eingerechnet werden, sagte der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn. Zum Beispiel könne man 50.000 Menschen aus der Türkei übernehmen und diese dann von den 160.000 abziehen, die eigentlich aus Italien und Griechenland umgesiedelt werden sollten. Die Bundesregierung zeigte sich offen für solche Überlegungen. Allerdings ist auch die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Türkei bislang nur ein Vorhaben der EU.