Bei den Regionalwahlen in Frankreich ist der rechtsextreme Front National (FN) ersten Hochrechnungen französischer Fernsehsender zufolge stärkste Kraft geworden. Die Partei von Marine Le Pen kommt demnach auf zwischen 29,5 und 30,8 Prozent. Das wäre das beste Ergebnis ihrer Geschichte.

In einer ersten Reaktion sprach Le Pen vor jubelnden Anhängern von einem großartigem Ergebnis. Der FN sei nun die "erste Partei Frankreichs". "Wir sind dazu berufen, die nationale Einheit zu erreichen, die das Land braucht."

Auf dem zweiten Platz landet das von den Republikanern von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy angeführte bürgerliche Parteienbündnis mit gut 27 Prozent. Die regierende Sozialistische Partei (PS) von Präsident François Hollande kommen zusammen mit einer linken Partei landesweit auf rund 23 Prozent. 

Sozialisten ziehen Kandidaten in zwei Regionen zurück

Sozialisten und Konservative könnten nun theoretisch gemeinsam versuchen, dem Front National in der zweiten Wahlrunde am kommenden Sonntag den Weg zu verbauen. Beide Parteien müssten dazu ihre Listen zusammenlegen – oder eine Partei müsste zugunsten der anderen ihre Liste zurückziehen. Genau das kündigte die PS noch am Wahlabend für zwei Regionen an. Im Norden des Landes in Nord-Pas-de-Calais-Picardie sowie in Provence-Alpes-Côte d'Azur im Südosten ziehen die Sozialisten ihre Kandidaten zurück, sagte Parteichef Jean-Christophe Cambadélis. In diesen Regionen liegen FN-Chefin Marion Le Pen und ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen nach dem ersten Wahlgang mit jeweils rund 41 Prozent deutlich vorn.

Für die anderen Regionen appellierte Cambadélis an die Einheit der Linken. Zusammen mit Grünen und Linksradikalen liegt die Linke nach Rechnung des Sozialisten landesweit vorn. Die konservativen Republikaner lehnten den Rückzug eigener Kandidaten ab: Parteichef Sarkozy sagte, es würden weder Listen zurückgezogen noch mit den Sozialisten zusammengelegt. Das konservativ-bürgerliche Lager sei "die einzig mögliche Alternative".

Zusammengerechnet hätten die linken Parteien mehr Stimmen erhalten als das konservativ-bürgerliche oder das rechtsextreme Lager. Neben den Sozialisten hatten Grüne und Linksfront für die erste Wahlrunde eigene Listen aufgestellt. Diese Spaltung hatte das linke Lager schon bei früheren Wahlen geschwächt.

FN in sechs Regionen vorn

Den Hochrechnungen zufolge landete der Front National in sechs der 13 französischen Regionen auf dem ersten Platz, unter anderem in der nordfranzösischen Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie, wo Parteichefin Le Pen als Spitzenkandidatin antrat, und in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, wo ihre 25-jährige Nichte Marion Maréchal-Le Pen die FN-Liste anführt. Auch in der Grenzregion Elsass-Lothringen-Champagne-Ardenne wurde der Front National stärkste Kraft.

Die Wahlen fanden gut drei Wochen nach den Terroranschlägen von Paris mit 130 Toten statt. Entsprechend stark war die Präsenz von Polizei und Militär am Wahltag. Vor allem im Großraum Paris wurden viele öffentliche Bereiche von Uniformierten gesichert.

44,6 Millionen Franzosen waren zur Wahl aufgerufen. Die Wahlbeteiligung war am Nachmittag deutlich höher als vor fünf Jahren. Kurz vor der Wahl warnten mehrere Kommentatoren erneut vor einem Votum für den rechtsextremen Front National (FN). Aus Sicht der Zeitung Libération spielt der FN mit den Ängsten der Menschen und der Ablehnung von Außenstehenden. Le Monde sieht in der Partei "eine große Gefahr für Frankreich".