In der zweiten Runde der französischen Regionalwahlen hat der rechtsextreme Front National (FN) ersten Hochrechnungen zufolge keine Region gewinnen können. Unter anderem unterlag Parteichefin Marine Le Pen in Nordfrankreich mit rund 42 Prozent ihrem konservativen Gegner Xavier Bertrand.

Die Anspannung war groß, nachdem der rechtsextreme Front National in der ersten Runde mit 27,7 Prozent sein bisher bestes Ergebnis erzielt hatte. Bereits am Nachmittag zeichnete sich eine höhere Beteiligung ab als im ersten Wahlgang vor einer Woche. Am späten Sonntagnachmittag hatten 50,4 Prozent der Berechtigten ihre Stimme abgegeben, teilte das Innenministerium mit – sieben Prozent mehr als am vergangenen Sonntag.

Nach der Niederlage vergangene Woche hatten die Sozialisten ihre aussichtslosen Kandidaten zurückgezogen, um den Rechtsextremen den Weg an die Spitze zu verbauen. In der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie, in der Le Pen selbst antrat und am vergangenen Sonntag mit 40,6 Prozent klar vorn lag, sahen Umfragen nach dem Rückzug des sozialistischen Kandidaten den Republikaner Xavier Bertrand rund sechs Punkte vor Le Pen.

In der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur hatte die 26-jährige Marion Maréchal-Le Pen, Nichte der Parteichefin, ebenfalls mit knapp 41 Prozent den ersten Wahlgang gewonnen. Auch sie unterlag in der Stichwahl.

In der Grenzregion zu Deutschland verweigerte der Sozialist Jean-Pierre Masseret einen Rückzug seiner Kandidatur. In Umfragen führte dennoch der Konservative Philippe Richert mit 43 Prozent. Er liegt zwei Punkte vor FN-Vize Florian Philippot, der am vergangenen Sonntag noch an der Spitze gelegen hatte. In anderen Regionen dürften Sozialisten, die von Grünen und anderen Linksparteien unterstützt werden, und der bürgerliche Block unter den Republikanern laut Umfragen das Rennen jeweils unter sich ausmachen.

Valls: Gefahr durch FN noch nicht gebannt

Trotz der Niederlage bleibt der Front National nach Ansicht von Premier Manuel Valls aber eine Gefahr. Die Ergebnisse der Wahl seien keine Botschaft des Sieges, die Gefahr der extremen Rechten sei nicht beiseitegeschoben, sagte er nach Bekanntgabe der ersten Prognosen. Offenbar hatten viele Wähler aus dem linken und rechten Spektrum gemeinsam dafür gesorgt, dass der FN nach seinem Sieg in der ersten Runde von der Macht fernblieb. Valls rief die Franzosen auf, nach diesem erbitterten Wahlkampf zusammenzustehen.

Viele Franzosen haben in neu zugeschnittenen Regionen gewählt. Nach einer Reform ist das Land nun in 13 statt 22 Regionen aufgeteilt. Hinzu kommen fünf Überseeregionen, in vier davon wurde ebenfalls gewählt. Die neuen Regionen nehmen im Januar 2016 ihre Arbeit auf.