Kroatien, das jüngste EU-Land, wird künftig von Tihomir Orešković regiert, dem parteilosen Finanzchef des Pharmakonzerns Pliva. Seine Regierung wird aus der konservativen HDZ und der neu gegründeten Partei Most bestehen, dem Bündnis gehören 78 der 151 Abgeordneten an. Deren Unterschriften überreichten die Parteien der Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarović. Sie muss den Parteien nun den formellen Auftrag geben, eine Regierung zu bilden.

Anfang November war in Kroatien gewählt worden. Sechs Wochen lang konnten sich die Parteien nicht auf eine Koalition einigen. Führende Politiker beschuldigten sich gegenseitig, das Patt herbeizuführen. Der amtierende Regierungschef Zoran Milanović, Mitglied der Sozialdemokraten, glaubte an eine Geheimdienst- und Polizeiaktion. HDZ-Chef Tomislav Karamarko leitete in den neunziger Jahren die Polizei von Zagreb und arbeitete im Innenministerium.

Zwar hatte die HDZ die Wahl gewonnen, ihr Vorsprung reichte aber nicht, um alleine zu regieren. So wurde Most entscheidend. Die drittstärkste Partei wollte eine Koalition mit den Konservativen und Sozialdemokraten eingehen. Diese sollte Reformen durchsetzen, die in dem Land lange verschleppt worden waren. Zu einem Ende der Gespräche kam es dann aber, als die Sozialdemokraten versuchten, Most-Politiker abzuwerben. Das zumindest sagte deren Vorsitzender Božo Petrov.

Dass es nun zu einem Bündnis der HDZ und Most kam, könnte auch von dem katholischen Bischof Vlado Košić beeinflusst worden sein, mutmaßen kroatische Medien. Košić, der als rechtskonservativ gilt, hatte SDP-Chef Milanović in einem Facebook-Post einen alten Fuchs, Dieb und Betrüger genannt. Petrov sei ihm naiv gefolgt und werfe seine Partei in den Rachen der Kommunisten, schrieb Košić weiter. Petrov ist strenggläubiger Katholik.