Libyens rivalisierende Regierungen haben einen Friedensplan beschlossen. Er muss aber noch von beiden Parlamenten bestätigt werden. "Dies ist ein historischer Moment, auf den die Libyer, die Araber und die ganze Welt gewartet haben", sagte Awad Mohammed Abdul Sadik. Er ist Vizepräsident des international nicht anerkannten Parlaments in Tripolis. Vertreter des international anerkannten Parlaments in Tobruk meldeten sich zunächst nicht zu Wort.

In dem Abkommen versprechen sich beide Seiten eine "transparente Zusammenarbeit". Das Ziel sei ein Vertrag, der insbesondere die Bildung einer Einheitsregierung vorsieht. Zehn Vertreter beider Parlamente sollen dazu ein Komitee bilden, um einen neuen Ministerpräsidenten und zwei Stellvertreter auszuwählen. Zuvor hatten Vertreter der rivalisierenden Parlamente mehrere Tage lang in Tunesien verhandelt.

Eigentlich sollte eine solche Einheitsregierung bereits im Oktober gebildet werden. Das war das Ergebnis monatelanger Verhandlungen unter Vermittlung der Vereinten Nationen. Kurz nach der Einigung im Oktober zerstritten sich aber die Verhandlungspartner wieder, die Friedensgespräche gerieten ins Stocken.

Einigung kurz vor einer internationalen Libyen-Konferenz

Entsprechend skeptisch sind Beobachter bezüglich der Frage, ob der aktuelle Friedensplan mehr Zustimmung bekommt. Am nächsten Sonntag ist in Rom eine internationale Libyen-Konferenz geplant. Dazu werden unter anderem US-Außenminister John Kerry und der russische Außenminister Sergej Lawrow erwartet.

In Libyen herrschen Chaos und Gewalt seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011. Die Städte werden von rivalisierenden Milizen kontrolliert, während zwei Parlamente und Regierungen die Macht für sich beanspruchen. Die international anerkannten Volksvertreter haben ihren Sitz in Tobruk im Osten Libyens, die islamistische Gegenregierung und deren Parlament tagen in der Hauptstadt Tripolis.

Nato will Einheitsregierung unterstützen

Terrorgruppen wie die Miliz "Islamischer Staat" nutzen das Machtvakuum aus und werden immer stärker. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte der künftigen libyschen Einheitsregierung die Unterstützung des Militärbündnisses zu.

Wenn in Libyen eine Regierung der nationalen Einheit gebildet werde, "dann würden wir helfen, Kapazitäten aufzubauen", sagte Stoltenberg mehreren europäischen Zeitungen in einem Interview, darunter Die Welt. Es gehe aber nicht um einen großen Militäreinsatz. "Das würde ich nicht empfehlen."