Russland hat die Nato vor der Aufnahme Montenegros gewarnt, nachdem das westliche Verteidigungsbündnis zuvor eine Einladung an den Balkanstaat offiziell ausgesprochen hat. "Wir haben stets gedroht, dass die andauernde Erweiterung der Nato nach Osten zu Gegenmaßnahmen Russlands zum Schutz seiner Sicherheit und Interessen führen wird", sagte der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow.

Am zweiten Tag ihres Treffens in Brüssel hatten die Nato-Außenminister Montenegro eingeladen, dem Verteidigungsbündnis als 29. Mitglied beizutreten. Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach von einer "historischen Entscheidung". Den russischen Protest wies er zurück. "Es geht hier nicht um Russland, sondern um Montenegro und die Nato." Die Erweiterung richte sich gegen niemanden, und jedes Land habe das Recht, seine eigenen Sicherheitsarrangements zu treffen. "Niemand hat das Recht, sich dabei einzumischen", so Stoltenberg.

Russland sieht die Nato-Osterweiterung als Bedrohung seiner Sicherheit und hatte immer wieder gegen die Erweiterung der Allianz in ihrem Einflussbereich protestiert. Seit dem Ende der Ost-West-Teilung hat die Nato zwölf neue Mitglieder insbesondere aus Osteuropa aufgenommen. Zuletzt wurde das Bündnis im Jahr 2009 um Kroatien und Albanien erweitert.

"Ein schwerer Schlag für die Beziehungen"

Das russische Außenministerium hatte bereits im Vorfeld gewarnt, eine Einladung an Montenegro habe "das echte Potenzial, zu Konfrontation zu führen". Sie würde nicht Frieden und Stabilität in Europa stärken, sondern vielmehr die Beziehungen zwischen Russland und der Nato weiter verkomplizieren. Die Agentur Interfax zitiert den Chef des Auswärtigen Parlamentsausschusses, Alexej Puschkow. "Ein Nato-Beitritt Montenegros würde das strategische Gleichgewicht nicht ändern", sagte er demnach und fügte hinzu: "Aber er zeigt, dass das von den USA vorangetriebene Erweiterungsstreben nicht aufhört."

Schon in der vergangenen Woche hatte Andrej Kelin vom russischen Außenministerium gesagt, der Beitritt sei schädlich für die europäische Sicherheit und würde den Beziehungen zwischen Russland und der Nato "einen weiteren Schlag versetzen". Und in einer Erklärung der Duma vom 20. November hieß es: "Podgoricas Absicht, der Nato beizutreten, ist ein schwerer Schlag für die traditionell freundlichen Beziehungen zwischen Russland und Montenegro." Vertreter des russischen Parlaments drohten damit, gemeinsame Projekte beispielsweise im Militärbereich zu stoppen.

Angriff auf Frieden, Stabilität und Sicherheit

Montenegro mit seinen 630.000 Einwohnern und 2.000 Soldaten hatte nach seiner Abspaltung von Serbien und der Unabhängigkeit 2006 die Annäherung an die Nato eingeleitet. Allerdings ist diese Politik auch innerhalb der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik hoch umstritten. Montenegros Außenminister Igor Lukšić sprach in Brüssel zwar von einer "historischen Etappe" für sein Land, laut einer Umfrage von Anfang Oktober unterstützen allerdings nur 50,2 Prozent der Bevölkerung die Nato-Mitgliedschaft, 49,8 Prozent waren dagegen. Ein Teil der Bevölkerung hat wegen der Nato-Luftangriffe gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien während des Kosovokrieges Ende der 1990er Jahre weiter starke Vorbehalte gegen das Bündnis.

"Montenegro einzuladen, während eine Mehrheit der Bürger gegen einen Beitritt zur Allianz ist, kommt einem Angriff auf Frieden, Stabilität und Sicherheit gleich", sagte der Vorsitzende der oppositionellen Sozialistischen Volkspartei (SNP), Srđan Milić. Er bekräftigte die Forderung nach einer Volksabstimmung über diese Frage – und weiß damit eine breite Protestbewegung hinter sich. Überhaupt ist der russische Einfluss in Montenegro weiter stark. Mehrere Tausend Russen leben ständig in dem Land, russische Touristen machen ein Drittel der jährlich eine Million Besucher aus. Auch ein Drittel der Investitionen kommt laut Zentralbank aus Russland.

Georgien als Nato-Mitglied zu heikel

Auch abseits von Beitrittsfragen ist das Verhältnis der Nato zu Russland äußerst gespannt. Grund dafür ist vor allem die Ukraine-Krise, seit der jegliche Zusammenarbeit ausgesetzt ist, auch wenn das Bündnis nun wieder Gespräche innerhalb des Nato-Russland-Rates prüft. Zuletzt erhöhte der Abschuss eines russischen Kampfjets durch das Nato-Land Türkei die Spannungen sowie die daraufhin zugesagte militärische Unterstützung der Allianz für ihre Verbündete in Ankara.

Angesichts dieser Lage wurden auch die Hoffnungen Georgiens auf eine Einladung in das Bündnis erneut enttäuscht. Etlichen Nato-Staaten ginge dieser Schritt zu weit. Sie befürchten, dass sich das Bündnis damit – speziell nach dem Krieg zwischen Georgien und Russland 2008 – zu viele Probleme ins Haus holen würde. Zugleich aber ist Georgien einer der wichtigsten Partner der Nato und zählt etwa im Norden Afghanistans zu den größten Truppenstellern neben Deutschland.