Es klingt nach einem Durchbruch: Jahrelang hatte der UN-Sicherheitsrat einen Friedensfahrplan für Syrien blockiert. Am Freitag nun gelang es den fünf Vetomächten des Gremiums doch noch, einstimmig eine Resolution zu verabschieden. Damit hat nun auch Russland seinen bisherigen Widerstand aufgegeben. Der Text formuliert ehrgeizige Pläne: Sobald Regierung und Opposition ihre Gespräche für einen politischen Übergang aufnehmen, soll in Syrien ein Waffenstillstand in Kraft treten. Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Opposition sollen bereits im Januar starten, Wahlen binnen 18 Monaten abgehalten werden.

Die internationalen Reaktionen waren entsprechend optimistisch. US-Außenminister John Kerry begrüßte den "nie dagewesenen Grad an Einheit" unter den Vetomächten und sagte, die Resolution sende "eine klare Botschaft an alle Beteiligten, dass es nun Zeit ist, das Töten in Syrien zu beenden". UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte, der Text sei "die erste Resolution, die sich auf den politischen Weg zur Lösung der Krise konzentriert". Und auch Syriens UN-Botschafter Baschar Dschaafari begrüßte die Resolution. Es sei sehr wichtig, diesen politischen Prozess in Koordination und Kooperation mit der syrischen Regierung umzusetzen, sagte er. Damaskus sei bereit für eine nationale Versöhnung, "wenn die Milizionäre ihre Waffen niederlegen!"

Doch so sehr allein die erstmalige Einigkeit einen Meilenstein darstellen mag, so sehr zweifeln viele Beobachter an einer baldigen Umsetzung der Ziele. "Es bleiben offensichtlich große Differenzen innerhalb der internationalen Gemeinschaft, insbesondere über die Zukunft von Präsident Assad", sagte etwa US-Außenminister John Kerry. Sein russischer Kollege Sergej Lawrow mahnte, Syrien müsse "ein vereinigter, multikultureller, multireligiöser und säkularer Staat sein." Am Verhandlungstisch werde es "keinen Platz für Terroristen geben."

AFP/Getty
Wer kämpft in Syrien?

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Zerrissenes Land

Mehr als 400.000 Menschen sind in Syrien getötet worden, seit der Konflikt im Frühjahr 2011 als friedlicher Protest gegen die Regierung begann. Das Assad-Regime reagierte mit Gewalt, seine Gegner griffen zu den Waffen – heute herrscht Bürgerkrieg.

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Wer kämpft in Syrien?

Seit Beginn des Bürgerkriegs sind große Teile Syriens der Kontrolle des Regimes entglitten. Sie werden von unterschiedlichsten Milizen gehalten. Auch von außen erfahren die Kriegsparteien Unterstützung, und andere Länder greifen in den Krieg ein.

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Wer kämpft in Syrien?

Verhandlungen für eine politische Lösung sind immer wieder gescheitert, ebenso mehrere Waffenruhen. Humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung ist kaum möglich. So bleibt es dabei: Jeder kämpft seinen eigenen Krieg, ein Frieden ist nicht in Sicht.

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Ein baldiger Waffenstillstand gilt trotzdem als unwahrscheinlich. Andere radikale islamistische Milizen wie die mächtige, von Katar und der Türkei unterstützte, Ahrar al-Scham sowie die von Saudi-Arabien finanzierte Islamische Armee und die Südfront herrschen in den übrigen Regionen Syriens. "Sie werden kaum damit einverstanden sein, Verhandlungen unter der Beteiligung von Baschar al-Assad aufzunehmen. Deshalb wird es sehr schwierig für den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon werden, bis zum 18. Januar zu klären, wie die Überwachung des Waffenstillstands durchgeführt werden kann", sagt Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt der Universität Mainz. 

Vor allem würden die kampfstärksten Terrororganisationen IS und Nusra-Front einem solchen Schritt seiner Meinung nach nicht zustimmen. "Der Vertrag ist nur ein erster Schritt auf einem Weg, der mit zahlreichen Hürden gespickt ist", sagte er ZEIT ONLINE. "Allerdings", sagte Meyer, "schließt der vereinbarte Waffenstillstand ausdrücklich den IS und die Nusra-Front als Ableger der Al-Kaida aus." Die Russen, Franzosen und die USA könnten also weiter Luftangriffe gegen diese beiden radikalislamistischen Gruppen fliegen.

Auch Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte vor zu viel Euphorie. In Berlin sagte der Bundesaußenminister nach der Rückkehr von der Syrienkonferenz in New York, die noch zu überwindenden Schwierigkeiten würden nicht unterschätzt. Es gebe jetzt aber immerhin eine eindeutige Mandatierung des UN-Sicherheitsrates.