Doch selbst wenn es zu einem begrenzten Waffenstillstand zwischen dem syrischen Regime und den übrigen als nicht terroristisch eingestuften Parteien kommen sollte, stellt sich weiter die Frage nach Assads Zukunft. Die UN-Resolution hat den Machthaber zwar schlicht aus dem Verhandlungspapier ausgeklammert. Dennoch fordern der Westen, die Türkei, Katar und Saudi-Arabien weiterhin seinen sofortigen Rücktritt und bestärken damit die schon im April 2012 vom UN-Sicherheitsrat einstimmig beschlossene Resolution 2043, laut der es zu einem Wandel hin zu einem demokratischen Mehrparteiensystem kommen müsse. Russland und China sowie der Iran hingegen argumentieren mit einer völkerrechtlich begründeten Position: Sie besagt, nur das syrische Volk selbst dürfe über die Absetzung Assads entscheiden.

Syrische Oppositionelle lehnen Gespräche mit der syrischen Regierung jedoch ab, solange Assad im Amt ist. Ein Sprecher des syrischen Oppositionsbündnisses kritisierte an dem Friedensplan besonders, dass darin keine Aussagen zum Schicksal Assads enthalten sind. Auch der führende Vertreter der in Istanbul ansässigen Nationalen Syrischen Koalition, Samir Naschar, sagte: "Der Beschluss ist nicht realistisch und wird schwierig umzusetzen sein." Zunächst müsse man abwarten, ob das Regime damit aufhören werde, Zivilisten mit international geächteten Fassbomben anzugreifen.

Syrienexperte Meyer bleibt hier skeptisch: "Da Assad das gesamte Regime repräsentiert, und damit auch Armee und Sicherheitsdienste hinter ihm stehen, ist ein Rücktritt aus politischer Sicht vorerst ausgeschlossen." Die vorgesehene Einsetzung einer glaubwürdigen, religiös unparteilichen Übergangsregierung in den kommenden sechs Monaten dürfte deshalb auf größte Schwierigkeiten stoßen.

Entscheidend wird jedoch nicht nur sein, wie sich die innersyrischen Konfliktparteien verhalten. Auch das Verhalten Saudi-Arabiens, das kürzlich Vertreter des syrischen Nationalkongresses in Riad an einen Verhandlungstisch gebracht hat, wird wichtig sein. Denn auch innerhalb dieser in Riad bestimmten Delegation von 100 Verhandlungspartnern der zersplitterten syrischen Opposition gibt es solche, die von der syrischen Regierung als Vertreter von Terrororganisationen eingestuft werden. Ihre Anerkennung bleibt also ein Problem.

Meyer setzt dennoch Hoffnung in den neuen Friedensplan: "Wir haben einen eher unrealistischen Zeitplan, aber die Zielsetzung beginnt mit einem ersten Schritt zu politischen Verhandlungen, alles Weitere muss sich aus der ersten Verhandlungsrunde im Januar ergeben", sagte Meyer. Seit 2012 hätten alle politischen Parteien gewusst, dass es keine militärische Lösung geben kann. Dass die politischen Verhandlungen damals vor allem durch die Forderung der USA nach dem Rücktritt von Assad blockiert wurden, habe zu Hunderttausenden von Opfern in diesem Krieg geführt.