Bei der Parlamentswahl im Iran wollen so viele Kandidaten antreten wie noch nie seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979. Wie iranische Staatsmedien unter Berufung auf das Innenministerium berichteten, registrierten sich bis zum Ende der Bewerbungsfrist am Freitagabend mehr als 12.000 Kandidaten für die Parlamentswahl am 26. Februar 2016. Das sind fast 70 Prozent mehr als bei der Wahl 2012. Bei der Wahl werden die 290 Parlamentssitze neu vergeben.

Laut Innenministerium waren es bei der letzten Wahl im Jahr 2012 knapp mehr als 5.000 Kandidaten. Mit genauso vielen hatte das Ministerium auch diesmal gerechnet, aber bis zum Ende der neuen Frist wurden es mehr als doppelt so viele. Die Zahl der als Kandidatinnen registrierten Frauen ist mit 1.100 mehr als dreimal so hoch wie vor vier Jahren. Der Frauenanteil stieg damit von acht auf nun elf Prozent.

Alle registrierten Bewerber werden nun vom Wächterrat überprüft. Er schließt Kandidaten unter bestimmten Umständen aus. Ihre Zahl dürfte also noch zurückgehen. Die endgültige Liste soll am 9. Februar vorliegen.

Laut Beobachtern ist die neue politische Atmosphäre unter Präsident Hassan Ruhani der Hauptgrund dafür, dass so viele Kandidaten zur Parlamentswahl am 26. Februar antreten wollen. Außerdem ist die Wahl ein erster politischer Stimmungstest nach dem Atomabkommen Mitte Juli zwischen dem Iran und dem Westen. Mit Spannung wird erwartet, ob die Auswirkungen des Abkommens auch zu einem Wahlerfolg der Reformer um Präsident Ruhani führen. Bis zur nächsten Präsidentschaftswahl 2017 will Ruhani wirtschaftliche und soziale Reformen durchsetzen. Dafür ist er auf die Unterstützung des Parlaments angewiesen, das bisher von den Konservativen dominiert wird.

Neben den Abgeordneten des Parlaments wählen die Iraner am 26. Februar auch den Expertenrat neu, der das geistliche Oberhaupt der Islamischen Republik ernennt und auch wieder absetzen kann. Derzeit ist dies Ajatollah Said Ali Chamenei. Für das Klerikergremium mit 88 Mitgliedern wollen 801 Bewerber kandidieren. Sie werden ebenfalls noch vom Wächterrat überprüft.