Der ehemalige polnische Präsident Lech Wałęsa hat nach Erkenntnissen des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) für den kommunistischen Geheimdienst SB gearbeitet. Im Haus des im November verstorbenen Exgenerals Czesław Jan Kiszczak seien Wałęsas Personalakte und seine Verpflichtungserklärung zur Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst gefunden worden, sagte IPN-Direktor Łukasz Kamiński. Die Unterschrift Wałęsas sei authentisch. Auch lägen Quittungen über Honorarzahlungen für den SB-Mitarbeiter mit dem Tarnnamen Bolek vor. Die Unterlagen stammten aus den Jahren 1970 bis 1976.

Wałęsa, der sich derzeit im Ausland aufhält, wies die Anschuldigungen zurück. "Es können keine von mir stammenden Dokumente vorliegen", ließ der Friedensnobelpreisträger mitteilen. Er werde sich juristisch gegen die neuerlich erhobenen Vorwürfe wehren.

Wałęsa war in kommunistischer Zeit Anführer der Gewerkschaft Solidarność. Von 1990 bis 1995 war er der erste demokratisch gewählte Präsident Polens. Eine Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst hatte Wałęsa stets bestritten. Entsprechende Dokumente hatte er als Fälschung bezeichnet. Im Jahr 2000 war Wałęsa schließlich von einem Gericht vom Vorwurf der Spitzeltätigkeit freigesprochen worden.

Das Institut für Nationales Gedenken ist das polnische Pendant der deutschen Stasiunterlagenbehörde. Wałęsa gilt als Kritiker der seit Oktober regierenden neuen nationalkonservativen Regierung und des Chefs der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jarosław Kaczyński. Im Dezember hatte er  angesichts der gesellschaftlichen Spannungen vor einem "Bürgerkrieg" in Polen gewarnt.