Das politische Establishment ist zum Auftakt des US-Vorwahlreigens in Iowa ordentlich abgewatscht worden. Donald Trump landete bei den Republikanern nur auf Rang zwei, hinter dem Überraschungssieger, dem erzkonservativen Senator Ted Cruz aus Texas, der ebenfalls der politischen Garde in Washington den Kampf angesagt hat. Die Demokratin Hillary Clinton hat – das amtliche Endergebnis lässt weiter auf sich warten – nur mit hauchdünnem Vorsprung vor Senator Bernie Sanders mithilfe von Münzentscheidungen gewonnen.

Eines sei nach dieser ersten Vorwahlnacht klar, schreibt ein CNN-Kommentator: Es werde einen langen, unberechenbaren Vorwahlkampf geben, bis die endgültigen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November feststünden. Die New York Times wertet diese Abstimmung eher als populistische Revolte, denn als traditionelle Vorwahl. 

Cruz habe sich seinen Sieg in den vergangenen Wahlkampfwochen hart erarbeitet, schreibt die New York Times. Dieser besuchte alle 99 Städte in dem Bundesstaat und tritt für einen harten Kurs gegen illegale Ausländer ein. Cruz ist tief im konservativen christlichen Lager verwurzelt. Über Themen wie Abtreibung oder Homo-Ehe will er nicht mal diskutieren. Während Trump auf große Events mit Glitzereffekt setzte, ging Cruz beim Wahlkampf im Iowa gezielt an die Basis, versprach den Maisfarmern beispielsweise bessere Preise. Den Ausschlag, da sind sich die Analysten einig, dürfte aber der extrem starke sozialkonservative Flügel in Iowa gegeben haben.

Trump habe nun den Preis dafür gezahlt, dass er nur eine rudimentäre, politische Partei aufgebaut habe, schreibt die Times. Vielleicht, ätzen Kritiker, hat Trump die falsche Frage gestellt. "Wie dumm sind die Leute von Iowa eigentlich?", wollte der zu einer Zeit wissen, als er in den Umfragen hinter Ted Cruz lag. Trump sei der Verlierer, auch wenn er das ins Gegenteil verkehre und weiter Kampfeswillen zeige. Die Frage, ob Trump seinen Social-Media-Hype in Stimmen ummünzen kann – sie scheint erst einmal beantwortet.

Auch der britische Guardian schreibt Trump erst einmal nahezu ab und prognostiziert, dass die kommende Entscheidung in New Hampshire zwischen Cruz und dem in Iowa drittplatzierten Senator aus Florida, Marco Rubio, fallen wird. Der hatte 23 Prozent der Stimmen geholt, Trump 24.

Bei den Demokraten votierte die Hälfte der Wähler für einen Anti-Establishment-Kandidaten. Sanders konnte vor allem bei den jungen Wählern punkten. Der 74-jährige, selbsterklärte demokratische Sozialist verspricht seinen Anhängern eine gerechtere Verteilung des Reichtums, eine Abschaffung von Studiengebühren an staatlichen Universitäten und eine allgemeine Krankenversicherung. Auch in New Hampshire wird er punkten können, ist sich CNN sicher, schwierig werde es für ihn bei Wahlen mit mehr ethnischen Wählern – wie in South Carolina.