Der zweite Reformschritt zielt darauf ab, dass künftig alle drei Teilstreitkräfte nach dem Vorbild der USA von einem Vereinigten Generalstab geführt werden. Dieses interdisziplinäre Führungsteam soll die Soldaten und Offiziere der Teilstreitkräfte auf gemeinsame Einsätze vorbereiten. Die Umsetzung dieser Reform erfordert, wie Xi selbst zugegeben hat, einen neuen Kampfgeist und ein neues Denken. Der Erfolg der Reformen wird zum größten Teil davon abhängen, ob sich dieser Mentalitätswandel auf allen Ebenen vollzieht: Vom Soldaten bis zum General hinauf. Andere Länder haben Jahrzehnte gebraucht, um die Jointness erfolgreich umzusetzen. Xi aber hat seiner Truppe nur fünf Jahre Zeit eingeräumt.

Wie bei anderen tiefgreifenden Reformen wird es auch hier Gewinner und Verlierer geben. Einige Beobachter rechnen mit Unruhen innerhalb des Militärs und zwar nicht zuletzt deshalb, weil einige der mächtigsten Generäle des Landes zu den Verlierern zählen werden. Wer jedoch einen Militärputsch erwartet, dürfte sich irren. Denn Xi nutzt die Gunst der Stunde für die Neubesetzung von Posten und versucht sich damit, die bedingungslose Gefolgschaft des Militärs zu sichern. Und dies dürfte ihm gelingen, hatten doch viele Generäle seit Jahren eine Modernisierung gefordert.

Xis Vorgänger schlugen ihnen diesen Wunsch stets ab und räumten dem wirtschaftlichen Wachstum Priorität ein. Dass Xi dies anders macht, sichert ihm viel Unterstützung bei seinem historischen Unterfangen, aus der größten Armee der Welt auch die stärkste zu machen.