Nordkorea hat erneut eine Rakete und mehrere Kurzstreckengeschosse abgefeuert, die vor der Ostküste ins Japanische Meer stürzten. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs sind die Raketen in der Nähe der Stadt Hamhŭng abgeschossen worden und rund 200 Kilometer weit geflogen. Experten versuchen nun herauszufinden, um welche Rakete und welche Projektile es sich bei dem jüngsten Test handelt. Das südkoreanische Verteidigungsministerium erklärte ebenfalls, es bemühe sich, die Details zu klären.

Es ist bereits die zweite Drohgebärde dieser Art binnen weniger Tage. Erst am Freitag hatte das Regime in Pjöngjang trotz eines internationalen Verbots zwei Mittelstreckenraketen getestet und damit Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verletzt. Hintergrund ist der Dauerkonflikt zwischen Nord- und Südkorea sowie aktuell ein Militärmanöver Südkoreas mit den USA, das die kommunistische Führung um Diktator Kim Jong Un als Vorbereitung einer Invasion wertet.

Die Regierung Südkoreas rechnet mit einem baldigen neuen Atomtest des Nachbarlandes. "Wir glauben, dass ein fünfter Atomtest jederzeit stattfinden kann. Die Regierung bereitet sich auf alle Möglichkeiten vor", sagte ein Sprecher des Wiedervereinigungsministeriums in Seoul. Die Regierung gehe davon aus, dass Nordkorea bereit sei, eine weitere Atombombe zu zünden, sobald die Führung dies anordne.

Aktivisten wollen Flugblätter über Nordkorea abwerfen

Das Regime hatte Anfang Januar eine Atombombe getestet. Einen Monat später feuerte die Armee eine Rakete ab, um einen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen, doch wurde dies weithin als verbotener Test einer Langstreckenrakete gesehen. Der UN-Sicherheitsrat verhängte daraufhin auch mit Unterstützung von Pjöngjangs Verbündetem China die bisher schärfsten Sanktionen im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm. Zudem verschärften die USA ihre Sanktionen gegen das abgeschottete Land.

Südkoreanische Aktivisten kündigten unterdessen an, erneut Flugblätter über Nordkorea abwerfen zu wollen. Zehn Millionen Flugblätter, in denen die Verletzung der Menschenrechte durch den nordkoreanischen Machthaber kritisiert werden, sollen am kommenden Samstag nahe der Grenzstadt Paju abgeworfen werden, sagte der Aktivist Park Sang Hak. Die Aktion dürfte die Spannungen auf der Halbinsel weiter verschärfen.