UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat in der Flüchtlingskrise an Europa appelliert, weiterhin für einen offenen Umgang mit Schutzsuchenden zu sorgen. "Es bereitet mir Sorge, dass europäische Länder nun eine zunehmend restriktive Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik verfolgen", sagte Ban im Wiener Parlament. Zuvor hatte der österreichische Nationalrat mit deutlicher Mehrheit das Asylgesetz drastisch verschärft. Ban begrüßte eine offene Diskussion über die Integration der Flüchtlinge: "Aber ich bin auch über die Fremdenfeindlichkeit, die innerhalb und außerhalb Österreichs zunimmt, höchst beunruhigt."

Die Schutzsuchenden seien besonders tapfer und widerstandsfähig. Eine gelungene Integration und ein gut organisierter Start in das neue Leben seien ein "Gewinn für alle".

Der UN-Generalsekretär war vom Parlament aus Anlass eines mehrtägigen Österreich-Besuchs zu einer Rede eingeladen worden. Wien ist Standort zahlreicher UN-Organisationen.

Nach dem neuen Asylgesetz wird unter anderem der Familiennachzug für Angehörige von Asylbewerbern deutlich erschwert und in den ersten Jahren praktisch unmöglich gemacht. Außerdem wird Schutz künftig nur noch für drei Jahre gewährt. Danach wird jeder Fluchtgrund erneut individuell geprüft. Zudem wird die Bearbeitungszeit für Asylanträge von sechs auf 15 Monate erhöht.

Auch der Papst kritisiert die österreichische Flüchtlingspolitik, insbesondere die neue Grenzpolitik. Die neue Asylrechtsnovelle ermöglicht es, bei einem stärkeren Zustrom von Flüchtlingen den Notstand auszurufen und die Möglichkeiten eines Asyls einzuschränken. Zudem wird die Errichtung eines 370 Meter langen Grenzzauns am Brennerpass vorbereitet. Franziskus betonte die Dringlichkeit, den Menschen auf der Flucht zu helfen. "Angesichts des Leidens so vieler Menschen, die vor Hunger, Gewalt und Ungerechtigkeit am Ende sind, können wir nicht Zuschauer bleiben", sagte der Papst.