Wenn Hollywoodpaare auf Twitter lauter Knutschbilder posten, dann weiß man, dass es gerade nicht gut läuft in der Beziehung. Das politische Äquivalent dazu ist die bilaterale Pressekonferenz, auf der man sich gegenseitig mit Lob überschüttet. So wie bei US-Präsident Obama und dem britischen Premierminister David Cameron, die sich aufgrund der special relationship ihrer beiden Länder gern als eine Art Traumpaar der Weltdiplomatie darstellen.

Als Obama und Cameron am Freitagabend in London an ihre Rednerpulte treten, wirkt Cameron wie immer rosig und Obama, der für drei Tage mit seiner Frau hier ist, müde. Vorhin hat er mit der Queen Mittag gegessen, nachher wird er bei Kate und William dinieren; solche Einladungen bekommt eigentlich niemand. Schlank und groß steht er neben Cameron, die weiß-rot-blauen Flaggen hinter ihnen gehen nahtlos ineinander über. Die Formulierung "mein Freund" fällt auffällig häufig. "Wir haben zusammen in Downing Street gegrillt", erzählt Cameron. "Und wir wurden beim Tischtennis geschlagen", ergänzt Obama. "Ich weiß nicht mehr, ob unsere Gegner acht oder zehn Jahre alt waren, aber sie haben uns fertiggemacht."

Großes Gelächter unter den britischen Presseleuten. Obama ist in Großbritannien beliebter als alle einheimischen Politiker; nicht wenige hier wünschten, er wäre ihr Präsident. Bereitwillig haben sich die englischen Journalisten von seiner Pressesprecherin auf die rechte Seite ihres Außenministeriums dirigieren lassen. Die ist niemand, mit dem man es sich verscherzen will. Eine Figur, wie man sie nur aus der US-Serie Scandal kannte. Nun erteilt sie einem Befehle, live in London. Entzückend!

Gefühlte Verwandtschaft

Die angloamerikanische special relationship ist eine Folge des Zweiten Weltkriegs, deren Rolle in der Gegenwart unklar ist. Sie hat nicht nur die Gründung des Währungsabkommens von Bretton Woods, die Etablierung der Nato und den Einmarsch in den Irak begünstigt; sie steht auch für die gemeinsame Geschichte und Sprache. Viele Briten fühlen sich mit den Amerikanern irgendwie verwandt. Sie glauben, dass sie mit den Europäern deshalb nicht wirklich viel gemeinsam haben.

Die Brexit-Kampagne, die bei dem Referendum in acht Wochen auf einen Austritt Großbritanniens aus der EU hofft, spielt mit diesem Gefühl. Den Vorwurf des Nationalismus wischen sie mit dem Verweis auf die USA weg: Wir sollten uns von der unglücklichen Zweckehe mit den Europäern befreien und uns stattdessen unserer wahren Liebe widmen! Wenn wir nicht mehr von der EU unterjocht werden, werden wir mit den Amerikanern unsere eigenen, viel besseren Verträge schließen! Dumm nur, wenn ausgerechnet der amerikanische Präsident diesen Behauptungen widerspricht.