"Es kann schon sein, dass wir nach einem Brexit irgendwann ein neues Handelsabkommen mit Großbritannien abschließen werden", sagt Obama. "Aber unser Hauptinteresse gilt dem großen Block, der EU. Wenn Großbritannien alleine wäre, stünde es in der Schlange ganz hinten." Tiefes Einatmen bei den britischen Journalisten. "Wenn ich Zugang zu einem Markt hätte, in den ich 44 Prozent meiner Waren exportiere", fährt Obama fort, "würde ich diesen Markt doch nicht verlassen." Er spricht ganz langsam und klar; so, als stünde er vor einer Schulklasse.

Aber die special relationship, hakt ein Fernsehkorrespondent nach, die würde doch sicher auch nach einem Brexit bestehen? Als Antwort erzählt Obama die Geschichte einer Mitarbeiterin, die im Windsor Castle beinahe ohnmächtig geworden sei, als ihr die Queen die Hand schüttelte. Das ist für ihn die special relationship: eine nette, emotionale Sache, die man in Anekdoten verpacken kann. Ein Souvenir.

In den meisten Beziehungen kommt irgendwann der Punkt, an dem sich einer eingestehen muss, dass er dem anderen nicht so wichtig ist wie geglaubt. Großbritannien könnte sich gleich zweimal geirrt haben: in seiner Bedeutung für die USA, und in der für Europa. Es ist nicht so, dass die Briten eine Beziehung gegen die andere austauschen könnten. Sie funktionieren nur zusammen: Die Amerikaner schätzen die Briten als eine Stimme für den Freihandel in Europa. Und die Europäer sehen in ihnen die Verbindung in die Welt.

David Cameron, der für Europa zwar wirbt, aber nicht brennt, hat das erkannt. Er wird nicht müde, zu betonen, dass es seinem Land außerhalb der EU schlechter ginge. Seine Warnungen vor Wirtschaftseinbußen, unsicheren Grenzen und einem politischen Machtverlust verfangen bei den Briten zwar, sind aber auch keine wirklich gute Reklame für das Gemeinschaftsprojekt. Es ist Obama, der über das europäische Zeitalter von Frieden und Wohlstand redet, der zu einer Internationalisierung der Politik im Zeitalter der Globalisierung aufruft. "Wir stehen zusammen!", sagt er, und es ist nicht wirklich klar, ob er damit die Amerikaner und die Briten meint, die Briten und die Europäer, oder alle gemeinsam.

Es gehört zu den Widersprüchlichkeiten der Brexit-Debatte, dass die Rede eines amerikanischen Präsidenten über Europa alle britischen Beiträge in den Schatten stellt. Das sagt einiges aus über Obama, der mit dieser Reise Abschied von Europa nimmt. Aber auch einiges über seine Freunde, die britischen Politiker, mit denen wir in der nächsten Zeit noch viel zu tun haben werden.