Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat Aserbaidschan Unterstützung zugesichert im Konflikt um das umstrittene Grenzgebiet Berg-Karabach im Südkaukasus. "Wir beten dafür, dass unsere aserbaidschanischen Brüder mit den kleinstmöglichen Verlusten die Oberhand in diesen Kämpfen gewinnen", sagte Erdoğan. "Wir werden Aserbaidschan bis zum Ende unterstützen." Inzwischen will Aserbaidschan das Feuer einseitig einstellen. Das gab die Regierung in Baku bekannt.

30 Soldaten sowie ein aserbaidschanischer und ein armenischer Zivilist, darunter auch ein Kind, starben im Gebiet Berg-Karabach, als es in der Nacht zum Samstag zu schweren Gefechten in der Region kam. Die Kämpfe konzentrierten sich auf die Demarkationslinie zwischen der autonomen Region und dem Rest Aserbaidschans, sagte ein Sprecher des armenischen Verteidigungsministeriums.

Konflikt dauert schon Jahrzehnte

Die Ex-Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten sich seit Jahrzehnten um Berg-Karabach. Die Region südlich des Kaukasus wird mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnt, gehört völkerrechtlich aber zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Es wird seit 1994 von einheimischen Separatisten und der armenischen Armee kontrolliert. Jahrelange Verhandlungen zur Lösung des Konflikts haben bisher nur wenige Fortschritte gebracht.

Beide Seiten machten sich gegenseitig für die Feindseligkeiten verantwortlich. Aserbaidschanische Truppen hätten mit Panzern, Kampfflugzeugen und Artillerie versucht, in Berg-Karabach einzudringen, teilte das armenische Verteidigungsministerium mit. Die armenischen Streitkräfte hätten dabei einen aserbaidschanischen Kampfhubschrauber abgeschossen.

Internationale Gemeinschaft warnt vor Eskalation

Aserbaidschan wies die Vorwürfe zurück. Die Streitkräfte hätten auf massive Angriffe reagiert, teilte das Verteidigungsministerium mit. Armenische Truppen hätten mit Granatwerfern und Geschützen mehr als 120 Geschosse abgefeuert. Auch Wohngebiete seien getroffen worden.

Die internationale Gemeinschaft warnte vor einer weiteren Eskalation des Konflikts. Der russische Präsident Wladimir Putin rief die Konfliktparteien zur Ruhe auf. Putin sei zutiefst besorgt angesichts der Gewalteskalation zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken, sagte ein Kremlsprecher. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu führte mit seinen Amtskollegen in beiden Ländern Krisentelefonate. Schoigu forderte beide auf, die Lage rasch zu stabilisieren, wie die Agentur Interfax meldete. Russland versteht sich als Schutzmacht Armeniens.

Die sogenannte Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die in dem Konflikt vermittelt, verurteilte die Eskalation. Für Dienstag sei ein Treffen geplant, teilte US-Botschafter James Warlick von der Minsk-Gruppe mit. Zu dem OSZE-Gremium gehören unter anderem Russland, die USA, Deutschland, Frankreich und die Türkei.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier rief beide Seiten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "In diesem Konflikt kann es keine militärische Lösung geben", teilte der Minister mit.