Weil sie eine Mohammed-Karikatur des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo abgedruckt haben, sind zwei Journalisten in der Türkei zu Haftstrafen verurteilt worden. Wie die Zeitung Cumhuriyet berichtet, habe ein Gericht in Istanbul gegen Ceyda Karan und Hikmet Çetinkaya Strafen von je zwei Jahren Gefängnis verhängt. Beide arbeiten als Kolumnisten für das regierungskritische Blatt. Sie hatten die Karikatur in ihren jeweiligen Kolumnen verkleinert abgedruckt.

Die Staatsanwaltschaft warf Karan und Çetinkaya vor, mit dem Abdruck der Karikatur in ihren Kolumnen im vergangenen Jahr den öffentlichen Frieden gestört und den Propheten sowie die religiösen Werte der Menschen in der Türkei beleidigt zu haben.  

Das Gericht sprach Karan und Çetinkaya schuldig, Hass und Feindseligkeit angefacht zu haben, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Freigesprochen wurden sie vom Vorwurf, religiöse Werte beleidigt zu haben. Cumhuriyet berichtet, nach dem Urteil hätten Nebenkläger im Gerichtssaal "Gott ist Groß" gerufen.

Anadolu meldete weiter, 1.280 Nebenkläger hätten Beschwerden gegen die Kolumnisten eingereicht. Darunter seien zwei Kinder von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan, Bilal and Sümeyye Erdoğan, sowie Sümeyye Erdoğans Ehemann Berat Albayrak. Bei Albayrak handelt es sich um den türkischen Energieminister.

Cumhuriyet hatte eine Auswahl von Karikaturen und Artikeln der französischen Zeitschrift nachgedruckt. Dies sollte nach dem Terroranschlag auf die Redaktion in Paris im Januar 2015 ein Zeichen der Solidarität darstellen.

Karan kündigt Berufung an

Karan kündigte über Twitter an, gegen das Gerichtsurteil Berufung einzulegen: "Wir werden das Land nicht in islamische Gewänder gekleideten Faschisten überlassen." Die Verfassung der Türkei sieht eine Trennung von Staat und Religion vor, die Beleidigung religiöser Werte steht gleichwohl unter Strafe. Im Islam gelten Abbildungen Mohammeds als Blasphemie.

Kritiker im In- und Ausland werfen der türkischen Regierung vor, die Meinungsfreiheit immer weiter einzuschränken und den Druck auf Medienvertreter zu erhöhen. Der Chefredakteur und der Chef des Hauptstadtbüros von Cumhuriyet, Can Dündar und Erdem Gül, müssen sich wegen eines Berichts über angebliche illegale Waffenlieferungen an syrische Rebellen vor Gericht verantworten.

Die türkische Regierung betont, alle Verfahren gegen Medienvertreter seien wegen Vergehen eingeleitet worden, die nicht mehr von der Meinungsfreiheit gedeckt seien.