Ausgerechnet das langjährige EU-Mitglied Großbritannien ist der Staat, an dem sich die gescheiterte EU-Asylpolitik besonders deutlich zeigen lässt: Bei Flüchtlingen aus Eritrea hatten die Briten im vergangenen Jahr mit 47 Prozent die niedrigste Anerkennungsquote unter allen EU-Staaten. Zum Vergleich: Im EU-Schnitt werden 90 Prozent der Eritreer als schutzbedürftig anerkannt. In Deutschland liegt die Rate bei 97 Prozent. Eritrea gilt wegen seiner brutalen Militärdiktatur als das Nordkorea Afrikas. Auch Iraker haben es auf der Insel schwer – in Großbritannien werden sie häufiger abgelehnt als in den anderen großen EU-Staaten.  Auch Afghanen werden relativ selten anerkannt.

Denn die Behörden und Gerichte in Großbritannien legen die Standards für die Anerkennung von Flüchtlingen enger aus als andere EU-Staaten. Außerdem dauern die Asylverfahren in Großbritannien sehr lange und haben für die Asylbewerber ungünstige Regelungen. So haben Betroffene in bestimmten Fällen nur zwei Werktage Zeit, um die Ablehnung ihres Asylantrags anzufechten. Auch die britische Flüchtlingshilfeorganisation Asylum Aid beklagt die "Flüchtlingslotterie".

Als Pakistaner wiederum sollte man versuchen, in ein anderes Land als Frankreich zu fliehen. Denn während EU-weit 27 Prozent der Pakistaner anerkannt werden, sind es in Frankreich nur sechs Prozent.

Nicht nur auf dem Papier

Migrationsexpertin Langenfeld sieht das Grundproblem darin, dass der Vollzug des gemeinsamen Europäischen Asylsystems in der Hand der Mitgliedstaaten liegt. "Die Mitgliedstaaten sind teilweise weder in der Lage noch bereit, die zum Teil komplexen Standards für den Flüchtlingsschutz umzusetzen", sagt sie. Nur eine weitere Europäisierung des Flüchtlingsschutzes könne das Problem lösen. "Die EU-Kommission muss weiter darauf dringen, dass die gemeinsamen Standards für die Anerkennung nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch nach gemeinsamen Grundsätzen vollzogen werden", fordert Langenfeld.

Schon heute gilt EU-weit die Genfer Flüchtlingskonvention. Sie regelt, dass Menschen, die wegen ihrer Religion, Rasse, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe verfolgt werden, als Flüchtlinge aufgenommen werden. Auch diejenigen Menschen, denen in ihrer Heimat Folter oder eine andere Gefahr für ihr Leben droht, dürfen gemäß der EU-Qualifikationsrichtlinie aus dem Jahr 2011 in Europa bleiben. Dies ist der sogenannte Anspruch auf subsidiären Schutz. Doch die Richtlinie allein hilft den Flüchtlingen nicht weiter. Bereits Reichskanzler Otto von Bismarck wusste: "Bei schlechten Beamten helfen selbst die besten Gesetze nichts."