Wer bist Du, wo fühlst Du Dich zu Hause?

Ich bin Grieche, in Stuttgart aufgewachsen, und nach einer kleinen europäischen Odyssee kann ich behaupten, in Athen ziemlich glücklich zu sein.

Efthymis Angeloudis, 31, Übersetzer, Griechenland © privat

Was bedeutet Europa für Dich, und was sollte es einmal sein?

Europa ist für mich eine Zweckgemeinschaft, deren Zweck abhandengekommen ist. Es tut so, als gäbe es die ultimativen Ziele von 28 Mitgliedsstaaten, die unter dem Mantel einer gemeinsamen Kultur und gemeinsamer moralischer Werte versteckt sind. Ich dementiere gar nicht die Existenz einer gemeinsamen europäischen Kultur. Wir erkennen sie vor allem an unserem exquisiten Geschmack an Weinen und Käse. Ich bezweifle aber stark, dass die Mitgliedsstaaten ein Interesse an echten Kompromissen haben. Man muss sich dabei nur die Flüchtlingskrise anschauen, um zu bemerken, wie brüchig die Fassade der Solidarität und der Menschenrechte in der EU ist.

Hältst Du die Schaffung eines vereinten Europas für notwendig?

Ja. Aber um die Identitätskrise der EU zu überwinden, müssen die Mitgliedsstaaten den schweren Weg gemeinsam gehen. Es fehlen aber bisher demokratische Verfahren, weshalb ein vereintes Europa und die Stärkung unsere Demokratie derzeit noch nicht kompatibel sind.

Und hältst Du die Schaffung eines vereinten Europas auch für möglich?

Leider nein! Zumindest nicht über den gewohnten Weg der Eurogruppenmeetings, Gipfeltreffen und einer Politik der nationalen Interessen. Wir brauchen die direkt gewählte europäische Regierung. Nur die könnte die Grundregeln vereinheitlichen, die ein gerechtes und gleichwürdiges Europa ermöglichen würden.