Bei einem Anschlag mit einer Autobombe sind nahe der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens 24 Menschen getötet und mehr als 30 verletzt worden. Ziel waren schiitische Zivilisten, die auf einem Markt in Nahrawan einkauften, wie das Innenministerium mitteilte. Zu dem Anschlag bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Polizisten hatten zunächst gesagt, der Anschlag habe sich gegen schiitische Pilger gerichtet, die auf dem Weg zum Heiligen Schrein Kadhimija in Bagdad gewesen seien. Dem widersprach der Sprecher des Innenministeriums, Saad Maan. Der IS habe mit dem Angriff Vergeltung üben wollen für jüngste Gebietsverluste im Irak. "Die einzige strategische Waffe, die ihnen verblieben ist, sind (Selbstmordattentäter)", sagte Maan.


Im Irak ist der schiitische Regierungschef Haider al-Abadi derzeit unter starkem Druck. Bislang ist es ihm nicht gelungen, politische Reformen einzuleiten, um Korruption und Verschwendung zu bekämpfen. Er sieht sich auch Vorwürfen wegen Vetternwirtschaft sowie Rücktrittsforderungen ausgesetzt.

Hinzu kommen wirtschaftliche Probleme wegen des gesunkenen Ölpreises, der Kampf gegen den IS und die seit Wochen andauernden Proteste von Schiiten um den radikalen Prediger Muktada al-Sadr, die eine Regierung aus Fachleuten verlangen. Um die Proteste zu beruhigen, hatte Al-Abadi eine Regierungsumbildung versprochen. Das Parlament hatte dem Plan am Dienstag zugestimmt. Al-Abadi war auf Druck der USA 2014 Regierungschef geworden und hatte den umstrittenen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki abgelöst, dem vorgeworfen worden war, die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten noch vertieft zu haben.

Zwar kontrolliert der IS noch große Bereiche im Westen und Norden des Iraks. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Terrormiliz allerdings einige Gebietsverluste erlitten. Nach Einschätzung von Experten geht der IS deswegen dazu über, Anschläge in Bagdad und anderen Gebieten zu verüben, die weit von der Front entfernt liegen.

Bei Anschlägen wurden allein in Bagdad im vergangenen Monat mehr als 40 Zivilisten getötet. Am 25. März waren bei einem Selbstmordanschlag in einem Stadion 29 Menschen getötet und 60 verletzt worden. Der IS bekannte sich dazu.