Die Zahl der Kämpfer des "Islamischen Staates" (IS) in Libyen ist nach Einschätzung der USA im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Nach Angaben des obersten Kommandeurs des US-Militärs für Afrika, General David Rodriguez, gibt es inzwischen rund 6.000 IS-Kämpfer in Libyen, doppelt so viele wie vor einem Jahr.

Die jüngsten Zahlen machen Libyen zum größten IS-Gebiet außerhalb Syriens und des Iraks. Die Terrormiliz unterhält nach Angaben aus dem US-Verteidigungsministerium acht Ableger außerhalb dieser beiden Länder.

Örtliche Milizen in Libyen hätten einigen Erfolg bei dem Versuch gehabt, den IS daran zu hindern, in Bengasi zu wachsen, sagte Rodriguez. Sie kämpften auch in Sabratha gegen die Gruppe. Doch würden auf eine nationale Regierung Entscheidungen über die Bereitstellung weiterer Militärhilfe warten, erklärte er.

Weitere Luftangriffe durch die USA möglich

Schon seit Längerem gibt es Spekulation über eine internationale Militärintervention gegen den IS in Libyen. Die USA hatten im Februar ein Trainingslager der Miliz bombardiert. Es sei möglich, dass die Vereinigten Staaten mehr gegen die Extremisten täten, sobald die Einheitsregierung Konturen annehme, sagte Rodriguez.

Der IS nutzt das Chaos in Libyen aus. Das Land wurde nach dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 von einem Bürgerkrieg erfasst. Monatelang war um die Bildung einer Einheitsregierung gerungen worden. Eine von Islamisten dominierte Schattenregierung in der Hauptstadt Tripolis gab am Dienstag zugunsten einer von den Vereinten Nationen vermittelten Übergangsregierung auf.

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