Im Jemen-Konflikt gilt seit der Nacht zum Montag wieder eine Waffenruhe. Ab Mitternacht (Ortszeit, 23.00 Uhr MESZ) sollte die Vereinbarung in Kraft treten. Beide Konfliktparteien hatten zuvor angekündigt, die Feuerpause einzuhalten. Nur wenige Stunden zuvor hatten Sicherheitsbeamte Zwischenfälle zwischen den schiitischen Huthi-Rebellen und der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition gemeldet.

In den ersten Stunden wurde die Feuerpause größtenteils eingehalten. Jedoch wurden aus der zentraljemenitischen Großstadt Tais von anhaltenden Kämpfe berichtet. Nach Angaben von Anwohnern hätten die aufständischen Huthi-Rebellen dort Wohngebiete beschossen. In den Provinzen Tais und Lahdsch habe es zudem Luftangriffe der saudisch-geführten Militärkoalition gegeben. In der von den Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa blieb es Berichten zufolge erst einmal ruhig.

Die Militärkoalition kündigte über die amtliche saudi-arabische Nachrichtenagentur an, alle Luftangriffe und Feindseligkeiten einzustellen. Der Schritt sei zum Teil als Vorbereitung auf die für den 18. April geplanten Friedensverhandlungen in Kuwait zu verstehen. Gleichwohl behalte sich das Bündnis das Recht vor, auf Verstöße gegen die Feuerpause zu reagieren.

Die Huthi-Rebellen erklärten sich später ebenfalls bereit, sich an die Waffenruhe zu halten. Auf mögliche Verstöße werde man aber ebenfalls reagieren. In dem Konflikt hat es bereits mehrere Feuerpausen gegeben, die jüngste war im März auf Betreiben der Vereinten Nationen angekündigt worden.


82 Prozent der Bevölkerung brauchen Nothilfe

Der UN-Vermittler Ismail Ould Cheikh Ahmed forderte alle Konfliktparteien dazu auf, das Abkommen einzuhalten. Es sei ein erster Schritt für den Jemen zum Frieden. Es dürfe nicht noch mehr Tote geben. Alle Seiten müssten bereit sein, schwierige Kompromisse einzugehen

Das Militärbündnis aus überwiegend arabischen Staaten unter Führung Saudi-Arabiens geht seit März 2015 militärisch gegen die Aufständischen vor. Die Rebellen hatten Monate zuvor die Hauptstadt Sanaa überrannt und die international anerkannte Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi ins Exil getrieben. In dem Konflikt wurden mehr als 6.000 Menschen getötet. Vereinzelt kommt es zu grenzüberschreitenden Bombardements mit Toten und Verletzten auch in Saudi-Arabien.

Die schiitischen Huthis kontrollieren große Teile vor allem im Norden und Westen und kämpfen gegen Truppen und Verbündete von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi. Nach UN-Angaben sind in dem Land auf der arabischen Halbinsel vergangenes Jahr etwa 9.000 Menschen ums Leben gekommen – mehr als 3.000 davon Zivilisten.

Internationale Hilfsorganisationen warnten vor einem Scheitern der Waffenruhe. Sollte die Feuerpause wieder nicht stabil bleiben, hätte dies katastrophale Auswirkungen, teilten 16 Organisationen – darunter Oxfam, Save the Children und der Norwegische Flüchtlingsrat – in einer gemeinsamen Erklärung mit. Im Jemen seien schon jetzt über 82 Prozent der Bevölkerung – das sind mehr als 21 Millionen Menschen – auf Nothilfe angewiesen.