Der kubanische Präsident Raúl Castro hat eine selbstkritische Bilanz über die Umsetzung der vor fünf Jahren beschlossenen Wirtschaftsreformen gezogen. Die Maßnahmen seien zu einem großen Teil an der kommunistischen Bürokratie gescheitert, sagte Castro.

Es habe in den vergangenen Jahren auch falsche "Nostalgiegefühle" mit Blick auf die Zeiten gegeben, in denen Kuba von der früheren Sowjetunion und dem sozialistischen Ostblock unterstützt worden war, kritisierte er.

Seine Regierung habe die aktuellen Schwierigkeiten des Landes nicht beseitigen können. Als die größten Probleme nannte Castro die Abhängigkeit Kubas von Importen, das langsame Wachstum, mangelhafte Agrarproduktion und eine sehr komplizierte doppelte Währung auf der Insel.

Raúl Castro lobte die neue Ära der Entspannung mit den USA. 2014 hatten sich die USA und Kuba auf eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen geeinigt. Ein Jahr später eröffneten beide wieder Botschaften im jeweils anderen Land. Damit fielen auch die ersten Beschränkungen zwischen beiden Ländern weg, etwa im Schiffs- und Luftverkehr.

Auch wenn er den eingeschlagenen Kurs für richtig hält, wolle er keine "neoliberale Schocktherapie" in dem Inselstaat durchsetzen. "Die neoliberalen Formeln, die eine beschleunigte Privatisierung des Staatsvermögens und der sozialen Dienstleistungen in der Bildung, der Gesundheit und Sozialversicherung verheißen, werden im kubanischen Sozialismus niemals Anwendung finden", sagte der 84-jährige Staatschef am Samstag in Havanna.

In Kuba könne es nur langsame Reformen geben, damit die gut elf Millionen Einwohner geschützt würden. Das Prinzip, niemanden schutzlos zu lassen, werde die Geschwindigkeit bei der Erneuerung des kubanischen Wirtschaftsmodells vorgeben, sagte der Präsident.