Griechenland hat am Freitag etwa 45 Pakistaner in die Türkei abgeschoben. Sie hätten in Griechenland kein Asyl beantragt, sagte eine Polizeiquelle. Die Flüchtlinge wurden mit einer türkischen Fähre von der Insel Lesbos weggebracht, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Drei Aktivisten wurden festgenommen, nachdem sie sich an den Anker des Schiffs gehängt hatten, um dessen Abfahrt zu verhindern. Weitere Demonstranten versammelten sich im Hafen der Ägäis-Insel und riefen: "EU, schäm dich" und "Freiheit für Flüchtlinge".

Etwa 80 weitere Flüchtlinge sollten im Laufe des Tages von Lesbos in die Türkei gebracht werden. Die griechischen Behörden hatten am Montag mit der Umsetzung des umstrittenen Paktes zwischen der EU und Ankara begonnen und die ersten 202 Flüchtlinge von den Ägäis-Inseln in die Türkei zurückgeschickt. Im Gegenzug waren die ersten Syrer aus türkischen Flüchtlingslagern von Deutschland und einigen anderen EU-Ländern aufgenommen worden, wie es der Pakt vorsieht.

Die EU hofft, so die irreguläre Migration durch die Ägäis zu stoppen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die EU, weil sie alle Neuankömmlinge in die Türkei abschieben will und bis dahin in Lagern auf den Inseln einsperrt. Aus Protest gegen ihre drohende Abschiebung waren 70 pakistanische Flüchtlinge auf Lesbos am Donnerstag in einen Hungerstreik getreten. Die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth kritisierte den EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei scharf. Sie warf der EU eine "Verweigerung von Schutzverantwortung" vor. Es gehe nur noch darum, "Flüchtlinge so schnell wie möglich wieder abzuschieben", sagte sie am Freitag im ARD-Morgenmagazin. Europa drohe, "seine Werte zu verschachern".

Wer sage, man müsse die Bilder von den Abschiebungen ertragen, der sei "zynisch", sagte Roth. Die Türkei sei voreilig zu einem sicheren Drittstaat erklärt worden, obwohl sie der UN-Flüchtlingskonvention nicht beigetreten sei, sagte Roth weiter. Wenn Präsident Recep Tayyip Erdoğan sage, die Syrer würden in seinem Land geschützt und nicht in ihr Herkunftsland zurückgeschickt, dann "reicht das nicht aus".

"Harte Bilder aushalten"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wies die Kritik am Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei erneut zurück. "Auch wenn wir jetzt einige Wochen ein paar harte Bilder aushalten müssen, unser Ansatz ist richtig", sagte de Maizière den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Freitag. De Maizière wies darauf hin, dass mit den Abschiebungen aus Griechenland in die Türkei Schleusern das Geschäftsmodell entzogen werde. Allerdings solle jeder Flüchtling, der einen Asylantrag stelle, von den griechischen Behörden ein individuelles Verfahren erhalten.