Die Diskussion um das Atomprogramm Nordkoreas hat den ersten Tag des Atomgipfels in Washington bestimmt. US-Präsident Barack Obama traf vor dem offiziellen Start den südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye und den japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Auch in einer Unterredung mit Chinas Präsident Xi Jinping ging es um Nordkorea.

Nach dem Gespräch mit Park und Abe sagte Obama, es sei wichtig, dass die internationale Gemeinschaft die gegen Nordkorea verhängten scharfen UN-Sanktionen auch umsetze. Die Regierung in Pjöngjang müsse von weiteren Provokationen abgehalten werden. Das streng abgeschottete kommunistische Land droht immer wieder mit Atomschlägen. "Von großer Wichtigkeit für uns beide ist Nordkoreas Streben nach Atomwaffen, das die Sicherheit und Stabilität der Region bedroht", sagte Obama zum Auftakt der Unterredung mit dem chinesischen Präsidenten. Xi sagte, China und die USA trügen die Verantwortung für Zusammenarbeit. Was deren Dispute und Meinungsverschiedenheiten angehe, könnten beide Seiten "aktiv über Dialog und Beratung Lösungen anstreben".

Nach seiner Unterredung mit Chinas Präsident Xi sagte Obama, beide seien fest entschlossen, eine "Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel" und die Anwendung der UN-Sanktionen zu erreichen. Xi lobte seinerseits die "effiziente Koordinierung und Kommunikation" mit den USA in der "koreanischen Atomfrage". China gilt als wichtiger Verbündeter Pjöngjangs. Die beiden Länder wollen künftig bei der Nuklearsicherheit stärker zusammenarbeiten. Ziel sei es, den Atomwaffensperrvertrag aufrechtzuerhalten sowie mehr im Bereich der Cybersicherheit zu tun.

Am Freitag soll Nordkorea erneut eine ballistische Rakete abgefeuert haben. Das Geschoss sei etwa 100 Kilometer weit geflogen und ins Japanische Meer gestürzt, berichteten das südkoreanische Verteidigungsministerium sowie mehrere Medien. Nordkorea hat zudem offenbar inzwischen vier Atomtests durchgeführt.

Keine Annäherungen zwischen Obama und Xi gab es im Streit um Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer. Die Volksrepublik verbittet sich eine Einmischung in Souveränitätsfragen. China beansprucht große Teile des Südchinesischen Meeres, die Nachbarn Brunei, Malaysia, Philippinen, Taiwan und Vietnam machen ebenfalls Ansprüche geltend.

Obama trifft überraschend Erdoğan

Zum eigentlichen Thema des Atomgipfels veröffentlichte das Weiße Haus nach dem Treffen mit Xi eine gemeinsame Erklärung, in der sich die USA und China verpflichten, technische Maßnahmen zur Verbesserung der atomaren Sicherheit zu fördern. So sollten der Schmuggel von Nuklearmaterial verhindert und "radioaktive Quellen" gesichert werden.

Überraschend traf Obama auch zu einem Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zusammen. Dabei sei es um die "US-türkische Zusammenarbeit in Fragen regionaler Sicherheit, Terrorabwehr und Migration" gegangen, hieß es vom Weißen Haus. Im Vorfeld des Gipfels hatte es geheißen, Obama werde Erdoğan nicht wie andere Staatschefs zu getrennten Gesprächen empfangen. Dies war als Affront gegen den türkischen Präsidenten gesehen worden. Die Beziehungen zwischen den beiden traditionellen Verbündeten sind derzeit unter anderem wegen der türkischen Militäroffensive gegen kurdische Kämpfer stark angespannt.

Zudem zeigte sich das Weiße Haus in den vergangenen Monaten immer wieder besorgt über Angriffe auf Meinungsfreiheit und Demokratie in der Türkei. Am Donnerstag musste die US-Polizei Leibwächter Erdoğans und Demonstranten trennen, die vor einer Rede des Staatschefs am Washingtoner Brookings-Institut aneinander geraten waren. Türkische Einsatzkräfte gingen dabei auch gegen Journalisten vor.

Angst vor Anschlägen mit schmutzigen Bomben

Bei dem Treffen der mehr als 50 Staats- und Regierungschefs in den USA geht es vor allem darum, wie nukleares Material besser vor dem Zugriff von Extremisten geschützt werden kann. Der Gipfel hat vor dem Hintergrund der von der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) ausgehenden Bedrohungen eine besondere Brisanz bekommen.

Sicherheitsexperten befürchten, dass die Extremistengruppe in den Besitz von geschmuggeltem Plutonium und hochangereichertem Uran kommen und daraus eine sogenannte schmutzige Bombe bauen könnte. Deutschland wird bei dem Gipfel von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vertreten. Linke und Grüne forderten vor dem Gipfel den Abzug von Atomwaffen aus Deutschland.