Die Veröffentlichung von Unterlagen der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama, die Offshore-Unternehmen gründet und verkauft, bringt zahlreiche Politiker und Prominente in Bedrängnis. Ihre Namen tauchen in Dokumenten auf, die die Süddeutsche Zeitung ausgewertet hat und mit denen sich im vergangenen Jahr 400 Journalisten in 80 Ländern beschäftigt haben. Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin beispielsweise sollen mehr als zwei Milliarden Dollar über Briefkastenfirmen ins Ausland geschleust haben. Ein Überblick über die prominentesten Personen, die in den Papieren genannt werden:

Amtierende Staats- und Regierungschefs

Mauricio Macri, Präsident von Argentinien

Macri ist der Sohn des italienischstämmigen Großindustriellen Francisco Macri. Er gründete eine Mitte-Rechts-Partei und war zunächst Bürgermeister von Buenos Aires, bevor er 2015 Präsident wurde. Im Wahlkampf versprach er die Liberalisierung der Wirtschaft und die Bekämpfung der Korruption.

Macri war, wie sein Vater und sein Bruder, Direktor der 1998 auf den Bahamas gegründeten Firma Fleg Trading Ltd. In Erklärungen zu seinem Vermögen von 2007 und 2008 erwähnte er diese Verbindung nicht. Sein Sprecher erklärt dies damit, dass Macri selbst keine Anteile an der Firma gehalten habe.

Sigmundur Davíð Gunnlaugsson, Premierminister von Island

Der frühere Journalist und Vorsitzende der Progressiven Partei wurde 2013 mit 38 Jahren der jüngste Premierminister, den Island je hatte. Im März bestritt er in einem TV-Interview, jemals eine Offshore-Firma besessen zu haben. Allerdings hätten die isländischen Firmen, mit denen er zusammengearbeitet habe, solche Kontakte gehabt. Sein eigenes Vermögen und das seiner Familie habe er jedoch stets ordnungsgemäß deklariert.

Aus den sogenannten Panama Papers geht nun allerdings hervor, dass Gunnlaugsson im Besitz einer Briefkastenfirma war, die auf den Britischen Jungferninseln gegründet wurde. Die Firma mit dem Namen Wintris war laut Berichten mehrerer Medien Gläubiger der Geldinstitute Landsbanki und Kaupthing, die im Zuge der Finanzkrise zahlungsunfähig wurden.

Betroffen von der Veröffentlichung ist auch Finanzminister Bjarni Benediktsson, der Generalbevollmächtigter der 2005 auf den Seychellen gegründeten Offshore-Gesellschaft Falson & Co. war. Auch er hatte unlängst gesagt, er habe "nie irgendwelche Anlagen in Steueroasen oder dergleichen gehabt". Auch der Namen von Innenministerin Ólöf Nordal taucht in den Papieren auf.

Für Premier Gunnlaugsson könnten die Enthüllungen nun Konsequenzen haben: Bereits am Montag könnte das Parlament über ein Misstrauensvotum entscheiden. 

König Salman von Saudi-Arabien

König Salman bestieg den Thron des Wüstenstaates 2015. Auch in den Jahren zuvor spielte er eine wichtige Rolle in der saudischen Politik, zum Beispiel als Verteidigungsminister. Der Monarch soll mit seinen auf den Britischen Jungferninseln gegründeten Offshore-Firmen Luxusimmobilien in London gekauft haben. Eine Reaktion darauf gibt es nicht.

Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine

Der Milliardär, der über ein ganzes Firmenimperium verfügt, wurde 2014 Präsident der Ukraine. Er ist der sechstreichste Ukrainer und machte sein Vermögen ursprünglich mit Pralinen. Zu seinem Roshen-Konzern gehören aber auch Firmen anderer Sparten, eine Investmentbank sowie Medienunternehmen. Im August 2014, zwei Monate nach seiner Wahl, wurde er einziger Anteilseigner der auf den Jungferninseln gegründeten Firma Prime Asset Partners Limited. Laut den Panama Papers war die Firma gedacht als "Holding für zypriotische und ukrainische Firmen der Roshen-Gruppe". Sein Sprecher verteidigt das Vorgehen damit, dass die Firma dazu diene, Poroschenkos Vermögen in einen Trust zu überführen. Der Präsident habe seine Vermögensverhältnisse längst vollständig offengelegt.

Scheich Chalifa bin Said bin Sultan al-Nahjan, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate

Der Scheich gehört zu den reichsten Männern der Welt. In der Vergangenheit übernahm er beispielsweise eine 130 Millionen-Dollar-Bürgschaft für Island oder spendete der Universität Texas 150 Millionen Dollar. Ihm gehören mindestens 30 auf den Jungferninseln gegründete Firmen, über die er Geschäfts- und Wohngebäude in den teuren Gegenden von London im Wert von mindestens 1,7 Milliarden Dollar hält. Die britische Firma, die al-Nahjan vertritt, will zu den Geschäften keinen Kommentar abgeben.

Panama Papers - Recherchenetzwerk enthüllt globalen Finanzbetrug Ein internationaler Zusammenschluss aus Redaktionen hat durch zugespielte Dokumente ein weltweites Netz an Steuerbetrügern enthüllt. Viele Briefkastenfirmen in Panama verschleierten über Jahre die Kapitalflucht.

Prominente

Lionel Messi, Fußballer

Dem Spieler vom FC Barcelona und seinem Vater Jorge Horacio sind die spanischen Finanzbehörden schon länger auf der Spur. Seit 2013 wird gegen die beiden Männer wegen Steuerhinterziehung ermittelt, im Mai müssen sie deshalb vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, zwischen 2007 und 2009 rund 4,1 Millionen Euro am Finanzamt vorbeigeschleust zu haben – mittels einer Briefkastenfirma in Belize und Uruguay. Bisher ist es Messis Strategie, die Schuld auf den Vater abzuwälzen. Dieser ist als Manager tätig. Im Rahmen der Vernehmungen behauptete Messi bisher, er unterschreibe alles, was ihm sein Vater vorlege. In den Pananma Papers soll nun eine weitere Briefkastenfirma aufgetaucht sein, von der die Staatsanwaltschaft offenbar bisher nichts wusste und die zur Hälfte Messi gehören soll: Mega Star Enterprise. Laut der Süddeutschen Zeitung haben Vater und Sohn bisher nicht zu den Vorwürfen Stellung genommen.

Juan Pedro Damiani, Mitglied der Ethikkommission des Weltfußballverbandes Fifa

Auch der Weltfußballverband Fifa gerät durch die Panama-Enthüllungen erneut ins Zwielicht. So soll der uruguayische Anwalt Damiani, Mitglied in der rechtsprechenden Kammer der Fifa-Ethikkommission, Angeklagten im Fifa-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen haben. Über sie wurden möglicherweise Fußballfunktionäre bestochen. Die Fifa hat bereits Vorermittlungen aufgenommen.

Verwandte und Vertraute von Prominenten:

Sergej Roldugin, Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin

Der bekannte Cellist war 1985 Taufpate von Putins Tochter Maria. Er gilt als einer der besten Freunde Putins und stand laut Süddeutscher Zeitung im Mittelpunkt eines Netzes von Briefkastenfirmen. Diese sollen Anteile und Aktien wichtiger russischer Unternehmen gehalten haben, darunter auch von Rüstungs- und Medienbetrieben.

Die Milliardärsbrüder Arkadi und Boris Rotenberg sind Kindheitsfreunde von Putin. Obwohl sie stets betonen, keine Vorzugsbehandlung von Putin zu bekommen, haben sie durch Geschäfte mit staatlichen Firmen Milliarden verdient. Sie waren Besitzer von mindestens sieben Firmen, die auf den Jungferninseln registriert sind. Mit ihren Offshore-Firmen beteiligten sie sich zum Beispiel an einem Pipeline-Unternehmen.

Hafis und Rami Machluf, Cousins des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad

Hafis und Rami Machluf sind die Cousins des syrischen Präsidenten Baschar al-Assads und sollen an mehreren Briefkastenfirmen beteiligt gewesen sein. Die Brüder sind in Syrien längst keine Unbekannten: Hafis, der Jüngere, gehört zum engen Machtzirkel des Assad-Regimes und hat eine führende Position beim Geheimdienst inne. Sein älterer Bruder Rami gilt als mächtigster Geschäftsmann des Landes. Gegner Assads werfen diesem schon länger Korruption und Raffgier vor.

Hafis wurde verdächtigt, seinen Geheimdienstjob genutzt zu haben, um Konkurrenten seines Bruders auszuschalten. Nachdem nachgewiesen werden konnte, dass beide an der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste 2012 beteiligt waren, heißt es, Hafis sei in Weißrussland untergetaucht.

In den Panama Papers sind die Aktionen der Machluf-Brüder dokumentiert. Rami kontrollierte demnach die wichtigsten Wirtschaftssektoren wie die Ölindustrie und die Telekommunikationsbranche.