Die mit dem Vorwurf undurchsichtiger Finanzgeschäfte mit Briefkastenfirmen konfrontierte Anwaltskanzlei Mossack Fonseca hat die Berichterstattung zu den Panama Papers kritisiert und Vorwürfe zurückgewiesen. "Diese Berichte stützen sich auf Vermutungen und Stereotypen", teilte die Kanzlei in einer vierseitigen Stellungnahme mit. Mossack Fonseca sei noch nie im Zusammenhang mit kriminellen Handlungen beschuldigt oder angeklagt worden und sehe sich in ein falsches Licht gerückt. Der Öffentlichkeit fehle das Fachwissen, um "die Arbeit von Firmen wie uns" richtig einordnen zu können.

Die Kanzlei halte sich an internationale Standards, um weitestmöglich sicherzustellen, dass von ihr gegründete Gesellschaften nicht zur Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Terrorfinanzierung oder für andere kriminelle Zwecke genutzt würden. "Wir bieten auch keine Lösungen an, die den Zweck haben, ungesetzliche Handlungen wie Steuerhinterziehung zu verbergen", heißt es in der Stellungnahme. Die unter dem Schlagwort Panama Papers ausgewerteten Dokumente würden zeigen, dass Mossack Fonseca "kompromittierten Personen" oder solchen, die benötigte Informationen zurückhielten, seine Dienste verweigere.

In den weltweit koordinierten Berichten von Medien aus rund 80 Ländern wird zahlreichen Politikern, Sportlern und Prominenten vorgeworfen, ihr Geld in Offshorefirmen geparkt zu haben. Auch mehrere Tausend Deutsche sollen laut der Süddeutschen Zeitung Briefkastenfirmen der Kanzlei in Panama genutzt haben.

Der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, rechnet mit weiteren Enthüllungen. Neu sei, "dass es in einem kleinen Land wie Panama eine solche Zahl von Briefkastenfirmen gegeben hat", sagte er der Passauer Neuen Presse. Daraus schließe er, dass es sich weltweit um ein Problem von erheblicher Dimension handelt, zumal es neben Panama auch andere Steueroasen gebe. "Überall dort finden solche oder vergleichbare Dinge statt. Wir sehen bisher nur die Spitze des Eisbergs", sagte Eigenthaler.

Weltweite Ermittlungen

Die Behörden in Panama leiteten Ermittlungen ein. Es werde geprüft, inwieweit Straftaten vorlägen und von wem sie begangen worden seien, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Panama-Stadt mit. Auch dadurch möglicherweise entstandene finanzielle Schäden würden ermittelt. Zuvor hatte bereits Präsident Juan Carlos Varela die Bereitschaft zur Zusammenarbeit seines Landes mit Regierungen und Ermittlern aus aller Welt erklärt. Offshoregeschäfte sind nicht per se illegal – es sei denn, Briefkastenfirmen werden genutzt, um Steuern zu hinterziehen oder Geld aus verbrecherischen Aktivitäten zu waschen.

Auch die USA ermitteln. Die Panama Papers würden nach Beweisen für Korruption und andere Verstöße gegen US-Recht durchsucht, sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Man nehme alle glaubwürdigen Hinweise auf Korruption im Ausland mit Verbindung zu den USA sehr ernst.

Die französische Staatsanwaltschaft leitete ein vorläufiges Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf schweren Steuerbetrug ein. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem kündigten an, die Enthüllungen zu nutzen, um wirkungsvoller gegen Steuerhinterziehung und -vermeidung vorzugehen.