Der Generalsekretär der Industrieländerorganisation OECD, José Ángel Gurría, will die Veröffentlichung der Panama-Papiere im Kampf gegen Steuerhinterziehung nutzen. "Nehmen wir das als Möglichkeit", sagte Gurria nach einem Gespräch der Chefs internationaler Organisationen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Es sei der richtige Moment für den Rest der Welt, um diesen Kampf fortzuführen und zu intensivieren.

Die Enthüllungen über Zehntausende Briefkastenfirmen in Steueroasen sorgen weiterhin weltweit für Aufsehen. Am Dienstag trat der isländische Regierungschef Sigmundur Davíð Gunnlaugsson wegen Enthüllungen über seine Geschäfte zurück. Auch die Behörden in Panama stehen unter Druck.

Die in den Panama-Papieren beschuldigte Kanzlei Mossack Fonseca geht derweil strafrechtlich gegen die Verantwortlichen des Datenlecks vor. "Niemandem gefällt es, bestohlen zu werden", teilte ein Sprecher der Kanzlei mit. "Wir werden unser Möglichstes tun, um die Schuldigen zu bestrafen."

Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, das Datenmaterial im Umfang von 2,6 Terabyte sei ihr von einer anonymen Quelle zugespielt worden. Mossack Fonseca geht davon aus, dass der Kanzlei-Server gehackt wurde – und stellte deshalb Strafantrag in Panama. Die Kanzlei bestreitet eine Verwicklung in illegale Geschäfte.

Panama sieht sich zu Unrecht allein beschuldigt

Die panamaische Regierung wies die OECD-Kritik an der Kooperationsbereitschaft des mittelamerikanischen Landes beim Austausch von Finanzdaten zurück. Gurrías Äußerungen seien respektlos und unverantwortlich gewesen, sagte der Minister im Präsidialamt, Álvaro Alemán. Panama werde allein zum Schuldigen gemacht, obwohl in den Enthüllungen der Panama-Papiere weitere 21 Länder erwähnt würden.

Gurría hatte Panama zuvor schwere Versäumnisse vorgeworfen. "Panama ist der letzte große Verweigerer, der es weiterhin erlaubt, dass Offshore-Fonds vor Steuer- und Strafverfolgungsbehörden versteckt werden", sagte der OECD-Generalsekretär. Das Land habe sich nicht an Zusagen gehalten, internationale Standards für Steuertransparenz einzuhalten.

Alemán wies auf die jüngsten Reformen hin. Panama habe eine Reihe von Gesetzen zur Regulierung des Finanzsektors geändert. Im Februar habe der OECD-Arbeitskreis für Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung (Gafi) das Land deshalb von der grauen Liste gestrichen, auf der Staaten mit Defiziten beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerinformationen geführt werden.

US-Justizministerium kündigt Reformen an

Die Panama-Papiere erinnern nach Worten von US-Präsident Barack Obama daran, dass Steuerhinterziehung ein globales Problem bleibt. In seiner ersten Reaktion auf die Veröffentlichung sagte Obama am Dienstag: "Es wird immer eine Art verbotener Bewegung von Fonds rund um die Welt geben, aber wir sollten es ihnen nicht einfach machen. Wir sollten nicht gestatten, sich an Transaktionen nur zu beteiligen, um Steuern zu vermeiden."

Der Demokrat Obama hat den von Republikanern kontrollierten US-Kongress bereits mehrmals gedrängt, aktiv zu werden, wenn es bei Fusionen um die Verlegung von Firmensitzen ins Ausland geht, um dort geringere Steuern zu zahlen. Bisher ist wenig geschehen. Allerdings wurde nun das US-Justizministerium aktiv und kündigte entschiedene Schritte an.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) nannte die Dimension der Enthüllungen schockierend. Allerdings sei das grundsätzliche Problem bereits seit Jahren bekannt, sagte er der Passauer Neuen Presse. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich auf legale Weise durch "zügellose Liberalisierung" ein professionelles System der Steuervermeidung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung gebildet. "Da müssen wir entschlossener ran."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Dienstagabend: "Man wird bei den Fragen der Steuervermeidung immer wieder schauen, mit welchen Mitteln man das am besten bekämpfen kann." Für einige Banken in Deutschland hätten solche Praktiken auch schon Strafen nach sich gezogen und "sicherlich wird man jeden Anlass nehmen, um zu schauen, ob das Strafrecht schon ausreichend ist". Grundsätzlich seien Transparenz und Meldepflichten "von allergrößter Bedeutung".

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann will deutsche Banken, die systematisch Beihilfe zum Steuerbetrug betreiben, hart bestrafen lassen. "Banken, die sich an der organisierten Steuerhinterziehung beteiligen, muss die Banklizenz entzogen werden", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Illegalität der Panama-Geschäfte ist bislang nicht bewiesen

Unklar ist nach wie vor, ob und inwiefern die bekanntgewordenen Geschäftstätigkeiten von Politikern, Reichen, Sportlern und Banken illegal sind. Darauf weisen auch die an der monatelangen Recherche beteiligten Medien ausdrücklich hin. Zahlreiche Prominente sahen sich wegen der Enthüllungsberichte aber bereits zu Erklärungen genötigt.

Auch der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino soll während seiner Zeit beim europäischen Dachverband Uefa angeblich zweifelhafte Geschäfte mit einer Briefkastenfirma abgezeichnet haben, ließ dies aber dementieren. "Es gibt keinerlei Anzeichen für irgendein Fehlverhalten der Uefa oder mir in dieser Angelegenheit", wurde Infantino am Dienstagabend in einer Pressemitteilung der Fifa zitiert. Die Uefa äußerte sich schockiert über die Medienberichte.