Etwa 1,75 Milliarden Euro kontrolliert der russische Cellist Sergej Roldugin den Panama Papers zufolge in einem Geflecht aus Briefkastenfirmen. Er selbst soll mindestens ein Vermögen im Wert von mehr als 75 Millionen Euro besitzen. Jetzt hat der Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin sich dazu geäußert, woher das Geld komme und zu welchem Zweck er darüber verfüge.

Natürlich sei er vermögend, aber nur an russischem Talent, sagte er einem Bericht des Guardian zufolge im russischen Staatsfernsehen. Er habe in den vergangenen Jahren Geld von Unternehmern gesammelt, um Musikinstrumente für talentierte junge Musiker zu sammeln. Die Gönner hätten ihm schließlich Anteile an Unternehmen veräußert, damit er nicht mehr betteln müsse.

Stradivari, Gofriller, Guaneri – Roldugin macht darauf aufmerksam, dass die Werke dieser Meister eigentlich gar keinen Preis haben. "Das ist so, als würde man die Stimme von Caruso kaufen (…) Aber in dem Fall der Instrumente kann man die Stimme kaufen", sagte der Musiker. Er habe über die Jahre versucht, die Instrumente, die im Ausland eingesetzt worden waren, zum Wohle Russlands ins Land zu holen. Die Instrumente und Professoren, die er für das St. Petersburger Haus der Musik beschafft habe, sollten die besten sein – "das kostet eben große Summen."

Ähnlich hatte sich bereits die russische Regierung zum Vermögen Roldugins geäußert. Die Panama-Papers-Enthüllungen wurden als "nichts Neues" beziehungsweise "Informationskampagne" bezeichnet. Roldugin selbst hatte sich im Gespräch mit Journalisten regierungskritischer Medien zurückhaltender gezeigt: "Jungs, ehrlich gesagt, kann ich im Moment keine Kommentare abgeben. Woher das Geld kommt, wem es gehört, das weiß ich. Das sind delikate Dinge", antwortete er auf Fragen der Nowaja Gaseta.

Der bekannte Cellist war 1985 Taufpate von Putins Tochter Maria. Er gilt als einer der besten Freunde des russischen Präsidenten und stand laut Süddeutscher Zeitung und Guardian im Mittelpunkt eines Netzes von Briefkastenfirmen. Diese sollen Anteile und Aktien wichtiger russischer Unternehmen gehalten haben, darunter auch von Rüstungs- und Medienbetrieben.

Roldugin war nicht der einzige aus dem näheren Umkreis des Staatsoberhaupts, der in den Panama-Papieren auftauchte. Putins Kindheitsfreunde, die Milliardärsbrüder Arkadi und Boris Rotenberg, betonen stets, keine Vorzugsbehandlung von Putin zu bekommen – haben aber durch Geschäfte mit staatlichen Firmen Milliarden verdient. Sie waren Besitzer von mindestens sieben Firmen, die auf den Jungferninseln registriert sind. Mit ihren Offshore-Firmen beteiligten sie sich zum Beispiel an einem Pipeline-Unternehmen.

Die Panama Papers zeigen, wovon Putin-Kritiker ohnehin ausgehen: Engste Mitstreiter des russischen Präsidenten verfügen über ein Geflecht an Briefkastenfirmen, sind in zweifelhafte, rückdatierte Aktiengeschäfte verwickelt und zahlen Entschädigungen für angeblich geplatzte Aktiengeschäfte sowie Honorare für nicht näher bestimmte Beratungsleistungen – so wandert den Kritikern zufolge das Geld aus den Budgets von Staatsunternehmen wie Rosneft auf sichere Auslandskonten.