In der Türkei sind vier Intellektuelle vorübergehend aus der Haft entlassen worden, die sich in einem Prozess wegen Verbreitung terroristischer Propaganda verantworten müssen. Die im März Inhaftierten blieben bis zu Beginn des Verfahrens vor einem Istanbuler Gericht auf freiem Fuß, berichtete die Nachrichtenagentur Doğan.

Sie waren festgenommen worden, nachdem sie in der Öffentlichkeit eine Petition zur Wiederaufnahme des Friedensprozesses mit den Kurden verlesen hatten. Sie war von insgesamt 2.000 Intellektuellen unterzeichnet worden und trug den Titel: "Wir werden nicht Teil dieses Verbrechens sein". Die Wissenschaftler, die sich Academics for Peace nennen, riefen zu einem Ende des "Massakers" an der kurdischen Bevölkerung im Südosten des Landes auf. Adressat der Petition war der türkische Staat. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan warf den Unterzeichnern vor, Terrorismus zu unterstützen.

Nach dem Scheitern einer Waffenruhe zwischen der Regierung und der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK im vergangenen Juli ist die Gewalt zwischen beiden Seiten wieder voll aufgeflammt. Hunderte Menschen wurden getötet. Über mehrere Städte in den Kurdengebieten hat die Regierung im Zuge einer groß angelegten Militäraktion Ausgangssperren verhängt.

Am Samstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Türkei erwartet. Journalistenvertreter fordern, dass sie dabei auch das Thema Meinungsfreiheit ansprechen soll.