In Österreich ist die Zahl der rechtsextrem und rassistisch motivierten Straftaten im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Insgesamt wurden 1.156 Fälle registriert, 54 Prozent mehr als noch 2014. Das geht laut den Grünen aus einer Antwort des Innenministeriums hervor. Demnach haben sich allein die fremdenfeindlichen Übergriffe von 111 auf 323 verdreifacht. Viele Anzeigen seien wegen Verherrlichung des Nationalsozialismus und wegen Volksverhetzung eingegangen.

Der justizpolitische Sprecher der Grünen, Albert Steinhauser, nannte die Zahlen eine "besorgniserregende und beschämende Entwicklung". Sie zeigten "die kriminelle Spitze des gesellschaftlichen Rechtsrucks, ausgelöst durch die Flüchtlingsdebatte". Die rot-schwarze Bundesregierung in Wien hatte in der Flüchtlingskrise unter dem Eindruck der hohen Asylbewerberzahlen ihre einstige "Willkommenspolitik" revidiert. Zuletzt sorgte sie gemeinsam mit den Balkanstaaten für eine Schließung der sogenannten Balkanroute.

Erst am Donnerstagabend hatten 30 bis 40 Rechtsextreme in Wien die Aufführung des Flüchtlingsstücks Die Schutzbefohlenen von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek gestürmt. Sie spritzten Kunstblut in die Menge, warfen Flugblätter, auf denen "Multikulti tötet" zu lesen war, in den Saal. Als die Polizei eintraf, waren die Angreifer bereits geflüchtet.

Auch in Deutschland mehr Straftaten

Die Zahl rechtsextremer Straftaten ist 2015 auch in Deutschland deutlich gestiegen. Insgesamt verzeichneten die Behörden 13.846 einschlägige Delikte und damit eine Steigerung um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein gegen Flüchtlingsunterkünfte wurden laut Bundeskriminalamt 1.029 Straftaten verübt, von an die Wand geschmierten Hakenkreuzen bis zu Sprengstoffanschlägen. 2014 waren es 199 Taten gewesen. Recherchen von ZEIT ONLINE widerlegten bereits im Februar die These vom neuen, aus der gesellschaftlichen Mitte stammenden Tätertyp. Vielmehr geht die Gewalt oft von Menschen aus, die schon vorher extrem rechte Ideen pflegten.

Auch die Gewaltbereitschaft ist in Deutschland zuletzt gestiegen. So wurden vergangenes Jahr insgesamt 921 rechtsextreme Gewalttaten registriert (2014: 496). Dabei wurden 691 Menschen verletzt (2014: 431). Die meisten dieser Gewalttaten, insgesamt 612, waren fremdenfeindlich motiviert. Damit hat sich diese Zahl im Vergleich zu 2014 fast verdoppelt.