Der isländische Ministerpräsident Sigmundur Davíð Gunnlaugsson hat nach den Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Steueroasen, an denen er und seine Frau Anna Sigurlaug Palsdottir beteiligt gewesen sein sollen, einen Rücktritt abgelehnt. "Ich habe es nicht in Betracht gezogen, wegen dieser Sache zurückzutreten, und ich werde wegen dieser Sache nicht zurücktreten", sagte er dem isländischen Sender Channel 2. In den Panama Papers stehe nichts Neues, sagte er.

Gunnlaugsson und Pálsdóttir sollen laut der Recherchen die Offshore-Firma Wintris Inc. auf den Jungferninseln betrieben haben und in dem Zusammenhang Kontakt mit der Mossack Fonseca gehabt haben. Wintris hielt demnach Anleihen in der Höhe von rund vier Millionen Dollar von drei großen Banken Islands.

Die Finanzkrise 2008 führte zum Zusammenbruch des isländischen Bankensektors. Ein  Jahr später wurde Gunnlaugsson ins isländische Parlament gewählt, die Offshore-Firma soll er verschwiegen haben. Demnach verkaufte er am letzten Tag des Jahres 2009 seine Hälfte von Wintris an Pálsdóttir für einen Dollar. Einen Tag später trat in Island ein Gesetz in Kraft, das Gunnlaugsson verpflichtet hätte, den Besitz von Wintris als möglichen Interessenskonflikt zu deklarieren. Ministerpräsident ist Gunnlaugsson seit 2013.

Wintris hatte in der Finanzkrise Geld verloren und forderte später etwa 3,6 Millionen Euro von drei Pleitebanken von damals zurück. Als Ministerpräsident war Gunnlaugsson dann selbst an einer Vereinbarung zur Entschädigung der Gläubiger der Banken beteiligt.

Briefkastenfirmen: Geld verstecken leicht gemacht

Briefkastenfirmen: Geld verstecken leicht gemacht

Laden …
Laden …
Laden …
Laden …

Scheindirektor

Ich muss nicht in Erscheinung treten, weil der Scheindirektor das macht. Ich bleibe also anonym.

Laden …
Laden …

Er habe niemals Geld im Ausland versteckt, sagte Gunnlaugsson. Seine Frau, die von ihrem Vater ein Vermögen geerbt habe, habe in Island alle Steuern entrichtet. "Weder hat sie Steuerparadiese ausgenutzt, noch kann man behaupten, dass ihr Unternehmen eine Briefkastenfirma in dem Sinne ist, dass es Steuern eher im Ausland als im Island bezahlt", teilte Gunnlaugsson auf seiner Website mit. Außenminister Gunnar Bragi Sveinsson stärkte seinem Regierungschef den Rücken. "Es gibt hier nichts Ungewöhnliches", sagte er.

Die isländische Opposition sieht das anders. Sie rief den konservativen Regierungschef nach den Medienenthüllungen zum Rücktritt auf. Noch in dieser Woche soll im Parlament ein Misstrauensantrag gestellt werden. Über Facebook organisieren sich Tausende Isländer zu Demonstrationen.

Panama Papers - Recherchenetzwerk enthüllt globalen Finanzbetrug Ein internationaler Zusammenschluss aus Redaktionen hat durch zugespielte Dokumente ein weltweites Netz an Steuerbetrügern enthüllt. Viele Briefkastenfirmen in Panama verschleierten über Jahre die Kapitalflucht.