In Spanien ist ein letzter Anlauf zur Bildung einer Regierungskoalition gescheitert. Damit seien Neuwahlen unvermeidlich, teilte der Vorsitzende der Arbeiterpartei PSOE, Pedro Sánchez, nach einem Gespräch mit dem spanischen König Felipe VI. in Madrid mit. Die kleine Regionalbewegung Compromís hatte kurz zuvor der PSOE und anderen linken Parteien einen Koalitionsvorschlag vorgelegt, um Neuwahlen zu verhindern.

Compromís, die ihre Basis in der Region Valencia hat und über vier Abgeordnete verfügt, strebte die Beteiligung der linkspopulistischen Podemos und Izquierda Unida an der neuen Regierung an. Mit Duldung der liberalen Zentrumspartei Ciudadanos sollte Sánchez zum Ministerpräsidenten gewählt werden.

Podemos bezeichnete die Initiative als "interessant", wollte aber keine Minderheitsregierung unter Führung der PSOE akzeptieren. Nach dem Scheitern dieses Anlaufs wird erwartet, dass König Felipe eine vorgezogene Parlamentswahl für Ende Juni ausruft. Offiziell läuft die Frist zur Bildung einer Regierung am 2. Mai aus, dann werden automatisch Neuwahlen fällig. Ein neuer Urnengang wird den Umfragen zufolge aber ebenfalls keine klaren Mehrheiten hervorbringen.

Bei der Wahl im Dezember hatte keine Partei eine regierungsfähige Mehrheit erzielt. Auch kam keine Koalition zustande, was für Spanien ein Novum wäre. Die Sozialisten waren mit 90 der 350 Parlamentssitze zweitstärkste Kraft geworden hinter der konservativen Volkspartei PP um den amtierenden Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, die 123 Sitze errang.

Sánchez war Anfang Februar mit dem Versuch gescheitert, eine Regierung zu bilden. Später befragte die Protestpartei Podemos ihre Mitglieder, ob sie eine Dreier-Koalition mit den Sozialisten und der FDP-ähnlichen Bürgerpartei Ciudadanos unterstützen. 88 Prozent sprachen sich dagegen aus.