In Aleppo sind offenbar mindestens 30 Menschen getötet und etwa 50 verletzt worden, als ein Kampfjet das Al-Quds-Krankenhaus bombardierte. Unter den Opfern seien drei Kinder und drei Ärzte, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Das Krankenhaus habe sich in einem Teil der Stadt befunden, der von den Rebellen kontrolliert werde. Zu welcher Armee das Flugzeug gehörte, ist unklar. Wie viele Menschen starben, konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Für Angriffe in den vergangenen Tagen hatten Aktivisten und Menschenrechtler das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und seine Verbündeten verantwortlich gemacht.

Das Al-Quds-Krankenhaus war eines der letzten Spitale in Aleppo und ein wichtiges Zentrum für Kinderheilkunde. Es wurde unterstützt von Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation verurteilte den Angriff. Den Menschen in der nordsyrischen Stadt sei so die Möglichkeit genommen worden, sich medizinisch behandeln zu lassen. "Krankenhäuser sind keine Ziele", twitterte die Organisation. 

Trotz eines Abkommens zwischen den Kriegsparteien ruhen die Waffen in Aleppo nicht. In den vergangenen sechs Tagen seien 84 Zivilisten von Kampfflugzeugen der Assad-Truppen getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Rebellen hätten 49 Zivilisten getötet, als sie die Stadtteile angriffen, die von den Soldaten des Staatspräsidenten kontrolliert werden.

Streit um Zukunft von Assad

Es bestehe die Gefahr, dass der Waffenstillstand jederzeit zu Ende sein könne, sagte der Sondergesandte der UN für Syrien, Staffan di Mistura. Er forderte die USA und Russland auf, sich gemeinsam für den Frieden in dem Land einzusetzen. In den vergangenen 48 Stunden seien alle 25 Minuten ein Mensch getötet und alle 13 Minuten einer verwundet worden.

Am Mittwoch hatte eine dritte Gesprächsrunde zwischen der Assad-Regierung und Oppositionsgruppen stattgefunden. Dabei seien Ansätze diskutiert worden, wie der Bürgerkrieg in Syrien beendet werden und das politische System stabilisiert werden könne, sagte di Mistura. Die Teilnehmer seien sich einig gewesen, dass eine Übergangsregierung gebraucht werde. Die solle eine neue Verfassung erarbeiten. Bei der Frage, wie dies geschehen solle, gebe es aber erheblich Differenzen, sagte der Sondergesandte.

Die Oppositionsgruppen fordern Assads Abtreten. Dessen Vertreter lehnen dies ab. Es werde nicht darüber diskutiert, welche Rolle der Staatspräsident künftig übernehmen werde, sagten sie. Wann die nächste Gesprächsrunde stattfinden wird, ist unklar. Di Mistura will sie so schnell wie möglich ansetzen.

Die USA und Russland hatten sich Ende Februar auf eine Waffenruhe geeinigt. Dieser hatten die Assad-Regierung, das Hohe Verhandlungskomitee der Regimegegner und etwa 100 Milizen zugestimmt. Von der Einigung ausgenommen sind der "Islamische Staat" und die Al-Nusra-Front, ein Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Der Bürgerkrieg in Syrien begann vor fast fünf Jahren. Seitdem starben mehr als 250.000 Menschen.