Die syrische Luftwaffe hat trotz der vereinbarten Waffenruhe den zweiten Tag in Folge Angriffe in der Region südöstlich von Damaskus geflogen. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge sind dabei am Donnerstag und Freitag mehr als 30 Menschen getötet worden. Die Angaben der den bewaffneten Regierungsgegnern nahestehenden Organisation lassen sich von unabhängiger Seite nur schwer überprüfen.

Bei den Luftangriffen der syrischen Streitkräfte auf Deir al-Assafir, einen Außenbezirk von Damaskus, wurden unter anderem ein Krankenhaus und eine Schule getroffen. Unter den Getöteten seien zwölf Kinder, neun Frauen und ein Lehrer, wie die Syrische Beobachtungsstelle mitteilte.

Deutschland und Frankreich warfen der syrischen Regierung von Präsident Baschar al-Assad einen schweren Bruch der seit Ende Februar geltenden Waffenruhe vor. Die Sprecherin des Auswärtigen Amts, Sawsan Chebli, sagte, es sei der "schlimmste Zwischenfall in Syrien seit Beginn der Waffenruhe".

Die Bundesregierung warne "dringend davor, durch solche menschenverachtenden Militäroperationen die mühsam erreichte Waffenruhe zu gefährden und den politischen Prozess zu torpedieren", sagte Chebli. "Jetzt wieder auf die militärische Karte zu setzen, wäre aus unserer Sicht Wahnsinn." Die syrische Bevölkerung habe ein "Recht darauf, nicht von der eigenen Armee bombardiert zu werden". Wer dies missachte, verliere seine Legitimation, in Syrien Regierungsgewalt auszuüben.

Der französische Außenamtssprecher Romain Nadal sagte, es seien "mit Vorbedacht" Zivilisten angegriffen und Dutzende Menschen getötet und verletzt worden. Zweck der "niederträchtigen Tat" sei es gewesen, die syrische Bevölkerung zu terrorisieren und die "Bemühungen der internationalen Gemeinschaft für eine politische Lösung zu untergraben".

Zuvor hatte sich bereits die US-Regierung entsetzt über die "mutmaßlichen Angriffe des Assad-Regimes" gezeigt. "Wir verurteilen solche Angriffe auf Zivilisten auf das Schärfste", teilte Außenamtssprecher John Kirby mit. Er erinnerte daran, dass sich die Regierung dazu verpflichtet habe, Angriffe auf Zivilisten einzustellen.