Wolodymyr Hrojsman ist neuer Ministerpräsident der Ukraine. Hrojsman wurde mit 257 Stimmen gewählt und ist mit 38 Jahren der jüngste Ministerpräsident der Ukraine. Damit erhielt Wolodymyr Hrojsman 31 Stimmen mehr, als für eine Bestätigung der Kandidatur nötig gewesen wären. Aus der eigenen Koalition erhielt Hrojsmann 206 Stimmen, wie der Moskau-Korrespondent der Berliner Zeitung auf Twitter berichtete.

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Hrojsmann war bis zur Wahl als Präsident des Parlaments in Kiew tätig. Mit der Abstimmung endet auch formell die Amtszeit des bisherigen Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk. Jazenjuk war zurückgetreten, nachdem die Reformen in der Ukraine ins Stocken geraten waren. Wolodymyr Hrojsman war der einzige Kandidat bei der Wahl und zudem der Wunschkandidat des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Die Zweierkoalition aus der Partei Volksfront und dem Block Petro Poroschenko (BPP) hatte sich auf Hrojsmann als Kandidaten geeinigt.

Hrojsmans Karriere verlief bisher steil. Glaubt man der Familienchronik, leitete er bereits mit 16 Jahren einen elterlichen Betrieb in Winnyzja. Mit 24 Jahren wurde er als jüngster Abgeordneter in den Stadtrat gewählt. Vier Jahre später folgte das Bürgermeisteramt. Kritiker werfen ihm eine zu große Nähe zu Präsident Poroschenko vor, Wolodymyr Hrojsman stehe noch für das "alte System". Das hat auch in seiner eigenen Koalition zu Verwerfungen geführt. "Ich werde nicht für Hrojsman stimmen, weil ich nicht glaube, dass er der richtige Reformer für diese Situation ist, weil er dem Präsidenten zu nahe steht", sagte der ehemalige Journalist Serhij Leschtschenko, der selbst für den BPP im Parlament sitzt, in einem TV-Interview.

Präsident Poroschenko rief die zerstrittenen Kräfte im Parlament zur konstruktiven Zusammenarbeit auf. "Ich reiche allen Oppositionskräften die Hand", sagte er in seiner Rede. Der Präsident betonte aber, dass "niemand gegen das Land stehen" dürfe. Die Bevölkerung hofft auf das Ende der Regierungskrise durch die Wahl des neuen Ministerpräsidenten.

Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Franz-Josef Jung (CDU), äußerte diese Hoffnung: "Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion begrüßt, dass die Regierungskrise in der Ukraine mit der Wahl von Wolodymyr Hrojsman zum neuen Ministerpräsidenten endlich ein Ende findet", teilte Jung mit.

Er formulierte aber auch Erwartungen an den neuen Ministerpräsidenten in der Ukraine: "Nun erwartet die CDU/CSU-Bundestagsfraktion, dass die neue Regierung alles unternimmt, um den Reformprozess zu beschleunigen und erfolgreich voranzubringen", sagte Jung.