Wirtschaftskrise in den USA, geschönte Arbeitslosenzahlen, um Politiker besser aussehen zu lassen, und Handelspartner, die nur im Sinn haben, die Vereinigten Staaten auszunehmen: Donald Trump hat der Washington Post ein Interview gegeben, in dem er den USA eine schlechte Zukunft voraussagt. Die einzige Rettung: er selbst. Als Präsident könne er vieles wieder in Ordnung bringen, sogar ziemlich schnell, sagt er. Dafür würden während seiner Amtszeit viele Dinge anders laufen. Genauso unkonventionell, wie er derzeit seine Kampagne fahre, wolle er auch regieren, sagt Trump.

Die Journalisten Bob Woodward und Robert Costa von der Washington Post trafen sich am Donnerstag mit Trump zu einem 96-minütigen Gespräch. Ort des Treffens war das noch nicht fertiggestellte Trump International Hotel in Washington D.C. Online veröffentlichte die Zeitung eine Zusammenfassung sowie das vollständige Protokoll des Gesprächs.

Darin rät der Präsidentschaftsanwärter davon ab, in den Aktienmarkt zu investieren. Die USA säßen auf einer wirtschaftlichen Blase, einer Finanzblase. Bestimmte Sektoren könnten nicht ausgemacht werden, die ganze Wirtschaft sei betroffen. Die Konjunkturflaute stehe kurz bevor. Kommentare, die dem Finanzmarkt zusetzen könnten und die zugleich gegen Einschätzungen von Experten sprechen. Deren optimistische Prognosen basieren aber Trumps Ansicht nach auf verfälschten Arbeitszahlen und einem aufgeblasenen Aktienmarkt.

Die Arbeitslosenquote ist "erfunden"

"Zuerst einmal haben wir nicht fünf Prozent Arbeitslose. Die Zahl geht vermutlich Richtung 20 Prozent, wenn man sich die echte Zahl ansieht", sagt Trump. Die errechnete Arbeitslosenquote sei "statistisch erfunden", um die Politiker, insbesondere Präsidenten, in gutes Licht zu rücken. Zwar kommt auch das statistische Amt für Arbeitsmarktzahlen in den USA auf Quoten unter zehn Prozent, doch für Trump steht fest: "Ich würde nicht so viel Zuspruch bekommen, wenn die Zahl echt wäre."

Erst einmal im Amt, werde er vieles ändern, vor allem weil er alles anders machen wolle als seine Vorgänger, sagt Trump in dem Interview. Für die ersten 100 Tage plant er, Steuern zu senken und Handels- und Militärabkommen neu zu verhandeln. Vor allem China habe die USA lange genug finanziell ausgenutzt. In einem Interview mit der New York Times sagte Trump, Südkorea und Japan könnten sich Atomwaffen anschaffen, um die USA aus ihrer Rolle als militärischer Beschützer zu befreien. Mithilfe solcher Sparmaßnahmen will Trump die Staatsschulden von über 19 Billionen US-Dollar binnen acht Jahren vollständig tilgen.

Um die Pläne in die Tat umzusetzen, muss Trump aber erst einmal Präsident werden. Dass er unterwegs einen republikanischen Mitstreiter nach dem anderen verprellt, sei nun einmal Teil des Spiels. Seine Familie und enge Freunde hätten ihm zwar auch schon geraten, sich mit den Republikanern gut zu stellen, um im Fall eines Amtsantrittes überhaupt eine Partei hinter sich aufstellen zu können. Derlei Angebote halte er aber für "überbewertet".

Wiedergutmachen könne er später noch leisten. Erst wolle er gewinnen, um jeden Preis. Wenn es soweit ist, werde er so sehr Präsident sein, dass man ihn gar nicht wiedererkennen werde: "Sie werden einschlafen, weil Sie so gelangweilt sein werden."