US-Präsident Barack Obama hat zum Abschluss seines dreitägigen Vietnam-Besuchs mehr Kunst- und Meinungsfreiheit in dem kommunistischen Land gefordert. "Regierungen sind manchmal nervös wegen der Kunst. Aber wenn man die Kunst unterdrückt, unterdrückt man die Träume und Hoffnungen des Volkes", sagte Obama bei einer Veranstaltung mit jungen Erwachsenen in Ho-Chi-Minh-Stadt.

Die etwa 800 Teilnehmer der Frage-Antwort-Runde waren Mitglieder der Young Southeast Asian Leaders Initiative, die sich auf Erwachsene im Alter von bis zu 35 Jahren fokussiert und Bildungs- und Kulturaustausch fördert. Obama rief das Land zudem dazu auf, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen. Das südostasiatische Land werde mit am stärksten von steigenden Temperaturen und Meeresspiegeln betroffen sein, sagte er. "Das könnte große Auswirkung auf Vietnams Fähigkeit haben, seine Bürger zu ernähren."

Obama hatte am vergangenen Montag seinen ersten Besuch in Vietnam begonnen. Er verkündete das Ende des Waffenembargos mit Vietnam, das seit dem Vietnamkrieg bestand. Damals hatten die USA gegen die Kommunisten gekämpft, die heute das Land regieren. Trotz der Aufhebung des Embargos unterlägen aber alle Bestellungen weiter strikten Auflagen, sagte Obama. Im Gegenzug forderten die USA, dass die amerikanische Marine zu einem vietnamesischen Hafen Zugang erhält.

Damit reagiert Obama auf das militärische Verhalten Chinas, das immer mehr im Südchinesischen Meer agiert und 80 Prozent des rohstoffreichen Seegebietes beansprucht. Vietnam forderte deshalb das Ende des Waffenembargos und geht zunehmend auf Distanz mit China.

Während seines Besuchs sprach Obama zudem mehrmals die Menschenrechtslage in dem kommunistischen Land an. Er sagte am Dienstag, ein Land könne sein Potenzial nur ausschöpfen, wenn Menschen sich frei ausdrücken dürften. In Vietnam ist es verboten, den Alleinherrschaftsanspruch der kommunistischen Partei infrage zu stellen. Viele Dissidenten sind in Haft. Sicherheitskräfte hinderten mindestens einen, der noch auf freiem Fuß ist, an einem Treffen mit Obama. Es gibt überall Zensur. "Man muss den Leuten die Chance geben, sich auszudrücken. Darum geht es doch in einer modernen Kultur des 21. Jahrhunderts", sagte Obama.

Nächste Station auf Obamas einwöchiger Asienreise ist Japan. Beim G7-Gipfel am Donnerstag und Freitag in der Stadt Ise-Shima trifft er auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am Freitag will er als erster amtierender US-Präsident die Gedenkstätte des Atombombenabwurfs in Hiroshima besuchen.