In Nigeria wurde offenbar ein zweites der vor etwa zwei Jahren von Boko Haram entführten Schulmädchen befreit. "Ein weiteres junges Mädchen aus Chibok ist heute Abend in Sicherheit gebracht worden", teilte ein Armeesprecher mit. Die Soldaten hätten außerdem fast hundert weitere Geiseln befreit. Bei dem Einsatz in der Sambisa-Waldregion seien 35 Terroristen der Boko-Haram-Miliz getötet worden.

In dem Ort Chibok hatte Boko Haram im April 2014 insgesamt 276 Mädchen aus einem Internat verschleppt. Dutzende konnten fliehen, doch mehr als 200 junge Frauen werden seitdem vermisst.

Als erstes war am Dienstag Amina Ali von einem Suchtrupp gefunden und in Sicherheit gebracht worden. Die 19-Jährige wurde in der Gefangenschaft von Boko Haram unter ungeklärten Umständen schwanger und hat nun eine vier Monate alte Tochter, die ebenfalls frei kam.

Präsident Muhammadu Buhari empfing die junge Frau und ihre kleine Tochter am Donnerstag in der Hauptstadt Abuja. "Aminas Rettung gibt uns neue Hoffnung", sagte der Staatschef anschließend. Die Regierung werde alles Mögliche unternehmen, um auch die anderen Mädchen zu retten.

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen kritisierten, die junge Frau sei in der Öffentlichkeit vorgeführt worden, anstatt sie zu behandeln. Ihre erfolgreiche Flucht solle nicht für politische Zwecke missbraucht werden, forderte Refugees International. Beobachtern zufolge machte die 19-Jährige einen stark traumatisierten Eindruck. Offenbar konnte sie wichtige Informationen mitteilen. Demnach sind einige ihrer Leidensgenossinnen in der Gefangenschaft der Extremisten gestorben, die anderen befänden sich immer noch in deren Gewalt, sagte sie nach Angaben eines Arztes.

Boko Haram kämpft seit Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Mindestens 20.000 Menschen wurden in dem Konflikt bisher getötet, 2,6 Millionen Menschen wurden durch die Gewalt in die Flucht getrieben. Hunderte Menschen wurden verschleppt.