Geheime Aufnahmen von Politikergesprächen über den Petrobras-Skandal sorgen weiter für Druck auf Brasiliens Interimspräsidenten Michel Temer. Der für den Kampf gegen Korruption zuständige Minister Fabiano Silveira tritt zurück. Am Vorabend hatte der Sender TV Globo Aufnahmen veröffentlicht, in denen ein Gespräch zwischen ihm und einem Toppolitiker zu hören ist, gegen den im Fall des staatlichen Ölkonzerns Petrobras ermittelt wird. Silveira bestreitet ein Fehlverhalten.

In dem Gespräch gibt Silveira dem Senatschef Renan Calheiros eine Rechtsberatung und kritisiert die Untersuchung, in die einige der prominentesten Politiker und Geschäftsleute des Landes verwickelt sind. TV Globo berichtete, Silveira habe die Ermittler im Petrobras-Fall mehrmals kontaktiert, um Informationen über die Anschuldigungen gegen Calheiros zu bekommen, allerdings ohne Erfolg.

Silveira zählte zum Interimskabinett, das Temer nach der Suspendierung von Staatschefin Dilma Rousseff eingesetzt hatte.

Für Temer ist es der zweite Ministerrücktritt innerhalb von 16 Tagen. Vor gut zwei Wochen musste der brasilianische Planungsminister Romero Jucá wegen eines ebenfalls heimlich aufgenommenen Tonmitschnitts zurücktreten.

Senator Jucá: "Pakt" zur Amtsenthebung von Rousseff

Im Falle Jucás hatte eine Zeitung ein kompromittierendes Telefongespräch mit dem Politiker und ehemaligen Chef der Ölgesellschaft Transpetro, Sérgio Machado, veröffentlicht. Darin sprach sich Senator Jucá dafür aus, einen "Pakt" zur Amtsenthebung der Staatspräsidentin Dilma Rousseff von der gemäßigt linken Arbeiterpartei (PT) zu schließen. Dadurch ließen sich auch die Ermittlungen zum Petrobras-Skandal beenden, sagte Jucá. Sowohl er als auch Machado werden in der Affäre verdächtigt.

Jucá hatte von Temer den PMDB-Vorsitz übernommen. Die Partei war Juniorpartner in der PT-geführten Koalitionsregierung, bis Temer mit aller Macht den Sturz der Präsidentin betrieb und sie am 12. Mai vom Senat vorläufig ihres Amtes enthoben wurde. Ihr wird vorgeworfen, beim Haushalt und Kreditvergaben getäuscht zu haben.

In die Korruptionsaffäre um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras sind Politiker und Geschäftsleute gleichermaßen verwickelt. Von 2004 bis 2014 sollen mehr als zwei Dutzend Firmen, zumeist große Baukonzerne, Schmiergelder an Petrobras gezahlt haben, um an lukrative Aufträge zu kommen.

Petrobras zahlte ebenfalls Bestechungsgeld, unter anderem an Politiker. Die regierende Arbeiterpartei soll bis zu 200 Millionen Dollar an Schmiergeldern von dem Staatskonzern erhalten haben. Insgesamt geht es in der Affäre um rund vier Milliarden Dollar.