Brasiliens Parlamentspräsident Eduardo Cunha muss wegen Korruptionsverdachts sein Amt abgeben. Der Oberste Gerichtshof habe die Aufhebung des Abgeordnetenmandats verfügt, berichtete das Portal Folha de S.Paulo.

Cunha soll im Zusammenhang mit Auftragsvergaben des halbstaatlichen Ölkonzerns Petrobras für Bohrinseln Schmiergelder in Höhe von fünf Millionen US-Dollar kassiert haben. Ein inhaftierter Bauunternehmer hatte dies ausgesagt. In der Schweiz waren dem Politiker zugeordnete Konten mit Summen in der Höhe aufgetaucht, die zunächst gesperrt wurden.

Cunha bestreitet die Vorwürfe. Generalstaatsanwalt Rodrigo Janot hatte ihm zudem vorgeworfen, das Amt zur Behinderung der Ermittlungen zu missbrauchen.

Eduardo Cunha gehört der Partei der Demokratischen Bewegung (PMDB) an, die mit der Regierung gebrochen hat. Er ist einer der Treiber des Amtsenthebungsverfahrens gegen Präsidentin Dilma Rousseff. Ihr werden gezielte Verschleierung der Höhe des Haushaltsdefizits und Kreditverstöße vorgeworfen. Zudem gibt es Korruptionsvorwürfe gegen Rousseff, auch sie soll in den Skandal um den Ölkonzern Petrobras verwickelt sein.

Der Senat wird Rousseff wahrscheinlich nächste Woche für zunächst 180 Tage suspendieren, um die Vorwürfe gegen sie zu prüfen. Vizepräsident Michel Temer, ebenfalls von der PMDB, will sie ersetzen und ein Kabinett ohne die seit 2003 regierende linke Arbeiterpartei bilden. Cunha hätte in dem Fall die Aufgaben des Vizepräsidenten übernommen. Ihm soll der Abgeordnete Waldir Maranhão nachfolgen, gegen den aber auch Korruptionsermittlungen laufen.