Griechenland hat am Mittwoch die Räumung des Camps an der griechisch-mazedonischen Grenze fortgesetzt. Am Dienstag waren bereits mehr als 2.000 Menschen in Auffanglager abtransportiert worden. Martin Schulz (SPD) hat die europäischen Staaten für die Situation der Flüchtlinge mitverantwortlich gemacht. "Das ist ein Schandfleck für diejenigen Mitgliedsstaaten, die nicht bereit sind, Flüchtlinge aufzunehmen, und die die Griechen mit diesem Problem alleine lassen", sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Der Präsident des Europaparlaments sagte mit Blick auf unwillige Staaten: "Die Staaten, die sich hartnäckig weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, haben die EU in solch eine Situation getrieben."

Griechenland stecke in einer tiefen Wirtschafts- und Finanzkrise und benötige auch bei der Flüchtlingsfrage dringend Solidarität und Hilfe. "Wir dürfen Griechenland mit dem Flüchtlingsproblem nicht alleine lassen." Er erwarte, dass sich alle 28 Mitgliedsstaaten der EU an der Verteilung beteiligten.

Die EU hatte im vergangenen Jahr die europaweite Verteilung von 160.000 Flüchtlingen vereinbart, allerdings kommt diese sehr schleppend in Gang. Bislang sind gerade mal rund 1.600 Flüchtlinge umverteilt worden, also nur ein Hundertstel. Auf die Frage, was die Gegner denn zum Umdenken veranlassen könnte, antwortete Schulz: "Vielleicht die Erkenntnis, dass in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts, in der wir leben, es keine nationalen Antworten auf globale Probleme wie die Migration mehr gibt. Das funktioniert einfach nicht mehr."

Die griechische Polizei hatte am Dienstag damit begonnen, das provisorische Flüchtlingscamp in Idomeni zu räumen. Journalisten können das Lager nicht betreten, sie müssen in einiger Entfernung die Aktion beobachten. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen können die Räumung beobachten, sie bestätigen die Aussagen der Polizei, wonach bislang alles ruhig verläuft und es noch zu keiner Androhung von Gewalt kam.

Idomeni - Polizei räumt Flüchtlingslager Am Dienstag haben die Behörden begonnen, das Flüchtlingslager in Idomeni mit Bussen zu räumen. Journalisten wurden nicht mehr ins Lager gelassen. ZEIT-ONLINE-Reporter Lenz Jacobsen ist in der Region.