Die griechischen Behörden haben damit begonnen, das Flüchtlingslager in Idomeni schrittweise zu räumen. Einheiten der Bereitschaftspolizei hatten das provisorische Camp am frühen Morgen weiträumig abgesperrt. Rund 1.000 der verbliebenen 8.400 Menschen wurden bis zum Mittag in Bussen in Auffanglager bei Thessaloniki gebracht, wie die Behörden mitteilten. Die Räumung verlaufe "ruhig und langsam", die Sicherheitskräfte müssten keine Gewalt anwenden, sagte ein Regierungssprecher.

700 Sicherheitskräfte riegelten das Gelände ab, ein Hubschrauber kreiste am Himmel. Auf das Gelände wurden nur Vertreter von Staatsmedien gelassen. Auf ihren Bildern war zu sehen, wie sich lange Schlangen vor den Reisebussen bildeten. Viele Flüchtlinge trugen ihre Habseligkeiten in riesigen Müllsäcken herbei, andere schoben vollbepackte Kinderwagen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bestätigte den ruhigen Verlauf der Räumung, beklagte aber, es würden viele Helfer blockiert, was die Versorgung der verbleibenden Flüchtlinge erschwere. Am Mittag begannen Bagger mit der Entfernung von Zelten.

Die Organisation Save the Children appellierte an die Behörden, besonders die Kinder zu schützen. Vor allem diejenigen, die allein unterwegs seien, hätten schon zu viel Stress und Leid durchgemacht. "Die Räumung muss vor allen Dingen im Sinne der Kinder umsichtig gehandhabt werden, damit die Mädchen und Jungen nicht noch weiter traumatisiert werden", erklärte Teamleiterin Amy Frost. Auch in den neuen, offiziellen Camps fehlte es an Toiletten, Wasch-, Schutz- und Spielräumen sowie an Unterkünften für allein reisende Kinder.

Die Räumung des Lagers hatte die griechische Regierung am Vortag angekündigt und dabei gehofft, auf die Anwendung von Gewalt verzichten zu können. Die Einsatzkräfte wurden aber vorsichtshalber verstärkt, um gegen möglichen Widerstand von Schutzsuchenden gewappnet zu sein. Nach Angaben des Sprechers des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, werde die Aktion wohl zehn Tage dauern. Dann sollen alle Flüchtlinge aus Idomeni in Aufnahmezentren im Innern des Landes untergebracht worden sein.

Derzeit sitzen in ganz Griechenland etwa 54.000 Menschen fest, davon geschätzt 8.400 im Lager in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien unter unwürdigen Bedingungen. Die Migranten und Flüchtlinge hoffen, dass die Anrainerstaaten die sogenannte Balkanroute doch wieder öffnen und sie so ihren Weg nach Mitteleuropa fortsetzen können.

Die griechischen Behörden versuchen seit Monaten, die Bewohner des Lagers in Idomeni zum Umzug zu bewegen. Nach der Ankündigung der Regierung, das Lager zu räumen, hatten Augenzeugen Dutzende Migranten beobachtet, die Idomeni verließen, um sich offenbar in den Feldern der Region zu verstecken. Andere Migranten, hauptsächlich Familien, fuhren freiwillig in andere, organisierte Lager.

Am Vorabend des Räumungsbeginns erschien es so, als ob nur wenige in Idomeni das Camp verlassen wollten. Der 22-jährige Abdo Radschab aus dem syrischen Rakka etwa überlegt nun, Schleuser dafür zu bezahlen, dass sie ihn nach Deutschland brächten. "Wir haben gehört, dass wir morgen alle in andere Camps gehen sollen", sagte er am Montagabend. "Das ist mir egal. Mein Ziel ist nicht, die Lager zu erreichen, sondern Deutschland."