Der Streit um antisemitische Äußerungen in der britischen Labour-Partei zieht immer weitere Kreise. Wenige Tage vor der Wahl des Londoner Bürgermeisters wurden drei Mitglieder verschiedener Stadträte vorübergehend aus der Partei ausgeschlossen. Bei ihnen handele es sich um Ilyas Aziz, Salim Mulla und Shah Hussain, wie die Labour mitteilte.

Hussain hatte einem israelischen Fußballer über den Kurznachrichtendienst Twitter vorgeworfen, Israel gehe mit den Palästinensern genauso um wie Adolf Hitler mit den Juden. Aziz hatte auf Facebook erklärt, es wäre wohl weiser gewesen, den Staat Israel in den USA zu gründen. Israel könne "auch jetzt noch" umgesiedelt werden. Mulla soll abwertende Kommentare über zionistische Juden gepostet haben.

Vergangenen Donnerstag war bereits der ehemalige Londoner Bürgermeister Ken Livingstone wegen fragwürdiger Äußerungen über Hitler vorläufig aus der Partei ausgeschlossen worden. Livingstone hatte die wegen israelkritischer Äußerungen suspendierte Labour-Abgeordnete Naz Shah verteidigt.

Parteichef Jeremy Corbyn hat eine unabhängige Überprüfung in seinen Reihen auf Antisemitismus und Rassismus auf den Weg gebracht. Von ihrem Ausgang hängt ab, ob die Suspendierungen wieder aufgehoben werden. Der konservative Premierminister David Cameron hatte der Labour-Partei vergangene Woche vorgeworfen, ein "Problem mit Antisemitismus" zu haben. Für Labour-Chef Corbyn kommt die Debatte zur Unzeit, da am Donnerstag in Teilen Großbritanniens wichtige Regionalwahlen anstehen.