Hillary Clinton hat mit der Nutzung eines privaten E-Mail-Servers in ihrer Zeit als US-Außenministerin gegen interne Vorschriften des Ministeriums verstoßen. Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsbericht des Hauses. Clinton habe sich keine Erlaubnis dafür eingeholt, ihre Kommunikation über den privaten Server abzuwickeln. Hätte sie darum ersucht, wäre ihr das wohl nicht erlaubt worden, stellt der Bericht klar.

Mitarbeitern Clintons sei nahegelegt worden, dass die Nutzung des Servers problematisch sei, steht dort weiter. Im Ministerbüro habe es "seit Langem bestehende systematische Schwächen bezüglich der elektronischen Akten und Kommunikation" gegeben. Dies betraf demnach auch Clintons Vorgänger Colin Powell. Ein Clinton-Sprecher sagte deshalb, der Bericht zeige, dass der Umgang der Ministerin mit E-Mails dem ihrer Vorgänger entsprochen habe.

Anders als ihre Amtsvorgänger und der aktuelle US-Außenminister John Kerry kooperierte Clinton allerdings nicht mit der Behörde. Sie habe den Ermittlern zum Beispiel nicht Rede und Antwort gestanden, schreibt die US-Seite Politico.

Die Affäre belastet die Präsidentschaftsbewerberin seit Längerem. Die Favoritin für die Kandidatur der Demokraten sieht sich deswegen massiven Angriffen aus dem republikanischen Lager ausgesetzt. Insbesondere Donald Trump bringt das Thema immer wieder auf und kündigte an, die neuen Ergebnisse "groß" zu machen. Denn: Bisher hatte Clinton sich offiziell darauf zurückgezogen, falsch gehandelt, aber keine Regeln gebrochen zu haben. Der Standpunkt lässt sich mit den Ergebnissen aus dem Außenministerium kaum mehr halten. Clintons Kampagne leidet bereits darunter, dass ihr viele Amerikaner nicht trauen – der E-Mail-Skandal verschärft das Problem.

Die Nutzung des privaten Servers hat sie inzwischen auch als Fehler bezeichnet. Clintons privater E-Mail-Server stand in ihrem Haus in Chappaqua im Bundesstaat New York, wie ein Hacker enthüllte. Von den insgesamt 62.320 E-Mails aus dieser Zeit händigte sie 30.490 an das Außenministerium aus, die restlichen gelten als privat. Das Außenministerium hatte nach richterlicher Anordnung Clintons E-Mails in den vergangenen Monaten nach und nach veröffentlicht.

Weitere Untersuchungen gegen Clinton laufen

Clinton droht weiteres Ungemach, denn die Untersuchung des Außenministeriums ist nur eine von mehreren. Gefährlich könnte ihr eine Ermittlung des FBI werden. Die Bundespolizei prüft, ob sie über den Server auch vertrauliche Informationen verschickte oder empfing. In diesem Fall könnte ihr eine Anklage drohen. Berichten zufolge steht die Ermittlung kurz vor dem Ende. Vor Kurzem befragte das FBI Clintons Vertraute Huma Abedin, die im Außenministerium stellvertretende Stabschefin und persönliche Assistentin Clintons war und mittlerweile als Vizevorsitzende ihres Wahlkampfteams agiert.

Die Affäre spielt im US-Wahlkampf eine große Rolle, wenngleich Clinton als Kandidatin der Demokraten nahezu feststeht. Aus Sicht der Republikaner wollte Clinton mithilfe des privaten Servers den rechtmäßigen Zugang zu Unterlagen verhindern. Der republikanische Senator Jeff Sessions aus Alabama sagte in einer ersten Stellungnahme zu dem internen Bericht des Außenministeriums, es habe einen "systematischen, ausgefeilten Plan" gegeben, um die Sicherheitsvorschriften zu umgehen. Sessions unterstützt den republikanischen Kandidaten Trump.