Das irakische Militär hat mit der Rückeroberung der Stadt Falludscha begonnen. Eliteeinheiten seien am frühen Morgen von drei Seiten in die Stadt eingedrungen, sagte der Sprecher der irakischen Anti-Terror-Eliteeinheiten, Sabah al-Norman. Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" halten die Stadt besetzt, Zehntausende Zivilisten sitzen dort fest.

Unterstützung erhielten die Truppen aus der Luft von der internationalen Militärkoalition, erklärte der für den Einsatz verantwortliche Kommandeur Abdelwahab al-Saadi. Der IS leiste Widerstand, hieß es.

Der erste Teil der Offensive auf Falludscha hatte vor einer Woche begonnen. Irakische Spezialkräfte, paramilitärische Einheiten und Kampfflugzeuge der Anti-IS-Koalition konnten seitdem die Umgebung der Stadt rund 65 Kilometer westlich von Bagdad absichern. 80 Prozent des Umlands seien erobert worden, sagte Major Dhia Thamir am Sonntag.

Ministerpräsident Haider al-Abadi kündigte an, die Operation werde weniger als 48 Stunden dauern. Bewohner der Stadt rief er auf, entweder zu fliehen oder ihre Häuser nicht zu verlassen. Die Regierung und Hilfsorganisationen rechnen damit, dass sich noch 50.000 Menschen in Falludscha aufhalten.

Die Situation in Falludscha werde "täglich schwieriger", warnte der Irak-Direktor der Norwegischen Flüchtlingshilfe, Nasr Muflahi. Die Bewohner ganzer Viertel seien '"in die Kampfzone getrieben worden ohne sicheren Fluchtweg". Schon vor Beginn der Offensive fehlte es den Bewohnern Falludschas an Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten. Die wenigen, denen die Flucht in den vergangenen Wochen gelang, berichteten den UN, dass einige Menschen in Falludscha bereits verhungert seien.

Erste Erfolge bei der Rückeroberung der Stadt gab es in der vergangenen Woche: 70 IS-Kämpfer seien bei Luftangriffen getötet worden, gab die US-geführte Militärkoalition bekannt. Unter den Toten befand sich demnach auch der örtliche Kommandeur Maher al-Bilawi. Sein Tod werde nicht zu einem Ende der Kämpfe führen, doch versetze er den Dschihadisten "einen Schlag", sagte der US-Militärsprecher Steve Warren. "Das führt zu Verwirrung und bedeutet, dass der Vizekommandeur aufrücken muss."

IS attackiert Stadt

IS-Kämpfer versuchten am Wochenende, in anderen Landesteilen Boden zurückzugewinnen. Sie attackierten die Stadt Hīt rund 100 Kilometer weiter westlich in Richtung der syrischen Grenze. Die Extremisten seien kurzzeitig in drei Viertel der Stadt eingedrungen, die sie erst im April an die Regierungstruppen verloren hatten, hieß es aus Militärkreisen. Bis zum Sonntagabend sei der Angriff aber zurückgeschlagen worden.

Falludscha war im Januar 2014 als erste Stadt im Irak dem IS in die Hände gefallen. Sechs Monate später eroberten die Extremisten in einer Blitzoffensive weite Teile des West- und Nordiraks, unter anderem die zweitgrößte Stadt Mossul, die sie nach wie vor kontrollieren. Auch in Syrien halten sie weiter beträchtliche Gebiete.

Zudem übernahmen die sunnitische Extremistenorganisation die Verantwortung für zahlreiche Attentate in und um die irakische Hauptstadt Bagdad. Auch am Montag kam es zu einer Anschlagsserie, bei der mehr als 20 Menschen getötet und etwa 50 weitere verletzt worden. Nach Angaben aus Polizei und Krankenhäusern detonierten insgesamt drei Sprengsätze. Im schiitischen Stadtbezirk Schaab wurden demnach zwölf Menschen durch eine Autobombe getötet. Sieben weitere kamen ebenfalls durch einen in einem Wagen deponierten Sprengsatz in dem sunnitischen Vorort Tarmija um. Im schiitischen Bezirk Sadr City starben zwei Menschen durch eine auf einem Motorrad befestigte Bombe. Wer hinter diesen Taten steht, ist indes noch unklar.