Das UN-Flüchtlingshilfswerk befürchtet mehr als 700 Todesopfer bei Bootsunglücken im Mittelmeer allein in der vergangenen Woche. In den vergangenen sieben Tagen seien drei Boote auf der Überfahrt nach Italien gekentert. Wie das Hilfswerk mitteilte, gründen sich diese Zahlen auf Aussagen von Überlebenden. Mehr als 650 Menschen würden seitdem vermisst. 45 Leichen waren allein am Freitag geborgen worden.

Schon am Samstag hatten Hilfsorganisationen von möglicherweise Hunderten Opfern bei Flüchtlingsunglücken der vergangenen Tage gesprochen. Davon hätten Überlebende bei ihrer Ankunft im sizilianischen Hafen Pozzallo berichtet, hatte die Hilfsorganisation Save the Children mitgeteilt.

Wegen des guten Wetters und weil die Balkanroute inzwischen geschlossen ist, hatten sich in den vergangenen Tagen viele Flüchtlinge auf die gefährliche Überfahrt von Libyen nach Italien gewagt. Viele Boote sind aus Holz, andere machen sich mit Schlauchbooten auf den Weg. Eines der nun verunglückten Schiffe hatte keinen eigenen Motor, sondern wurde von einem Schmugglerboot gezogen. Marine- und Rettungsschiffe brachten allein in dieser Woche 13.000 Menschen in Sicherheit.

Die hohe Zahl der Flüchtlinge bringt die Bundeswehr, die sich am Einsatz im Mittelmeer beteiligt, an ihre Grenze. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mehr als 190.000 Menschen über das Mittelmeer geflohen. Davon kamen knapp 156.000 nach Griechenland und etwa 40.000 nach Italien. 1.375 Menschen gelten als vermisst oder tot.

Am Samstag hatte Papst Franziskus bei einer Audienz für Kinder aus Süditalien auf das Leid der Flüchtlinge aufmerksam gemacht. "Sie sind keine Gefahr, sie sind in Gefahr", sagte das katholische Kirchenoberhaupt und hielt eine rote Rettungsweste hoch. Diese gehöre einem syrischen Mädchen, das auf der Überfahrt auf die griechische Insel Lesbos ertrunken sei. "Sie ist im Himmel, sie sieht auf uns herab", sagte Franziskus.