Die Soldaten des Militärbündnisses Nato bleiben auch im nächsten Jahr in Afghanistan stationiert. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bestätigte, dass die Ausbildungs- und Beratermission Resolute Support über 2016 hinaus verlängert werde. Das Land stünde weiter vor "ernsthaften Herausforderungen", sagte Stoltenberg. Das Nato-Militär wird nun die Details des künftigen Einsatzes ausarbeiten. Im vergangenen Mai hatten die Bündnisstaaten noch erwogen, den aktuellen Einsatz 2017 in eine zivile Mission umzuwandeln.

Der im Jahr 2001 begonnene internationale Kampfeinsatz unter Nato-Führung war Ende 2014 beendet worden. Aufgaben der Nachfolgemission Resolute Support sind nun vor allem die Beratung und Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte. Dafür stellen die Alliierten und ihre Partner aktuell rund 12.000 Soldaten zur Verfügung. Die deutsche Bundeswehr beteiligte sich zuletzt mit knapp 900 Soldaten, das Bundestagsmandat erlaubt bis zu 980. Wie stark die Truppe 2017 sein wird, ist noch unklar. Das US-amerikanische Militär hat jedoch angekündigt, nur noch 3.400 statt bislang rund 7.000 Soldaten zu stellen.

Viele Nato-Partner, darunter Deutschland und die USA, hatten eigentlich für 2016 einen weitreichenden Truppenabzug geplant. Die anhaltende Gewalt der radikalislamischen Taliban-Rebellen und vor allem die vorübergehende Eroberung der nordafghanischen Provinzhauptstadt Kundus im vergangenen Herbst führten jedoch zu einem Umdenken. Deswegen beschloss die Nato im Dezember vergangenen Jahres, mit den 12.000 Soldaten im Land zu bleiben. Die Beteiligung der Bundeswehr wurde sogar ausgeweitet – auf die Mandatsobergrenze von 980 Soldaten. Trotz jahrelanger Unterstützung des Militärbündnisses bekommen die afghanischen Streitkräfte die Taliban nicht allein in den Griff.

Ende des Einsatzes ist unklar

Neben der Verlängerung des Einsatzes diskutierten die Nato-Staaten auch über künftige Milliardenhilfen zur Finanzierung der afghanischen Streitkräfte. Er sei optimistisch, dass beim Bündnisgipfel im Juli in Warschau feste Zusagen bis 2020 gegeben werden könnten, sagte Stoltenberg. US-Angaben zufolge benötigen die afghanischen Streitkräfte rund fünf Milliarden Dollar pro Jahr. Ein Datum für das Ende des Einsatzes nannte Stoltenberg nicht.

Der afghanische Außenminister Salahuddin Rabbani war nach den Beratungen zufrieden. Die Nato würde seinem Land eine auf mehrere Jahre angelegte "solide Unterstützung" zusichern. Diese würde nicht nur benötigt, um die Demokratie in Afghanistan zu stärken. Sie sende auch eine klare Botschaft an die Terroristen, die "Afghanistan destabilisieren und den internationalen Frieden untergraben", sagte Rabbani.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, Deutschland wolle die afghanischen Sicherheitskräfte weiter durch Ausbildung und Training unterstützen. Zu möglichen Veränderungen der Truppenstärke äußerte er sich nicht.