Ungeachtet russischer Warnungen hat die Nato die Aufnahme Montenegros beschlossen. Bei einem Außenministertreffen in Brüssel unterzeichneten alle 28 Mitgliedstaaten das Beitrittsprotokoll. Nun muss es durch die nationalen Parlamente ratifiziert werden, was ungefähr ein Jahr dauern dürfte.

Das Dokument ermöglicht es dem Balkanstaat, ab sofort an allen Bündnistreffen als Beobachter teilzunehmen. Der geplante Beitritt verstärkt die wegen der Ukraine-Krise ohnehin vorhandenen Spannungen zwischen der Nato und Russland. Die russische Regierung hatte mehrfach vor einer weiteren Nato-Osterweiterung gewarnt. Sie sieht die Aufnahme als Konfrontation, die zur weiteren Destabilisierung der euroatlantischen Sicherheit beitragen könne. Im Dezember drohte der Kreml mit Gegenmaßnahmen.

Seit dem Ende des Kalten Krieges hat das Militärbündnis zwölf neue Mitglieder insbesondere aus Osteuropa aufgenommen. Zuletzt wurde die Nato im Jahr 2009 um Kroatien und Albanien erweitert. Mit Montenegro, dessen Armee nur wenige Tausend Soldaten umfasst, würde die östliche Küstenlinie an der Adria vollständig Nato-Gebiet. 

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sprach von einem "wichtigen Schritt", der die langfristige Stabilität Montenegros und der Region unterstützen werde. Mögliche Sanktionen Russlands wegen des Beitritts seien "vollkommen ungerechtfertigt", jedes Land könne selbst über seinen Weg entscheiden. Montenegros Regierungschef Milo Ðukanović sagte, kollektive Sicherheit sei "wichtiger als je zuvor". Für sein Land sei der Nato-Beitritt zehn Jahre nach der Unabhängigkeit "ein sehr wichtiges Ereignis".